Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Wissenschaft & Umwelt

Baikal-Museum in Listwjanka

Forschungseinrichtung der Akademie mit Seewasser-Aquarien und einem echten Tauchboot

Bereich
Wissenschaft & Umwelt
Stand
· 8 Min. Lesezeit
Großes Schaubecken von der dunklen Besucherseite: Eine graue Robbe schwimmt hinter dickem Glas
Abb. 1Robben in einem Schaubecken. Symbolbild
Kurz gesagt

Das Baikal-Museum in Listwjanka ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften. Es ging aus der Ausstellung des Limnologischen Instituts hervor und ist seit 1993 selbstständig. Bekannt ist es für Aquarien mit Seewasser, in denen auch Baikalrobben leben, für das Tauchboot „Pisces-11“ und für eigene Forschung.

Was ist das Baikal-Museum und wer betreibt es?

Das Baikal-Museum ist ein Forschungsinstitut mit Ausstellung, kein reines Schaumuseum. Es gehört zur Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften und ist dem Irkutsker Wissenschaftszentrum zugeordnet. Nach eigener Darstellung wurde es 1993 zu einer selbstständigen Einheit der Sibirischen Abteilung, mit zwei Aufgaben: wissenschaftlicher Arbeit und der Vermittlung von Wissen über den See an die Öffentlichkeit. Sein Forschungsthema fasst das Haus als Entwicklung des Ökosystems Baikal zusammen.

Die Wurzeln reichen weiter zurück. Die Ausstellung entstand am Limnologischen Institut, dessen Vorläuferstation 1930 nach Listwjanka gezogen war; eine Enzyklopädie-Angabe nennt 1925 als Beginn der Sammlung. Wie das Institut aus der Baikal-Limnologischen Station von 1928 hervorging und wie dort heute gearbeitet wird, beschreibt die Seite über die Limnologie am Baikalsee. Ab 2001 wurde das Museum umgebaut und schrittweise um neue Ausstellungen erweitert. In internationalen Fachartikeln der späten 1990er-Jahre erscheint es noch unter dem Namen Baikal Ecological Museum, etwa als Partner des Baikal Drilling Project.

Das Gebäude steht an der Akademitscheskaja-Straße am westlichen Ende des Ortes, in Richtung Angara-Ausfluss und rund zwei bis drei Kilometer vom Ortskern entfernt. Den Ort selbst, seine Geschichte und seine Lage am Ausfluss beschreibt die Seite über Listwjanka am Baikalsee. Rund um das Haus legte das Museum 2008 ein Arboretum an, in dem seltene und gefährdete Gefäßpflanzen der Baikalregion angesiedelt und untersucht werden. 2011 umfasste es nach Angaben der Sibirischen Abteilung rund 4 Hektar mit einem Kilometer Wegen und 236 Pflanzenarten, von denen 16 geschützt sind.

Was zeigen die Ausstellungen?

Die Ausstellungen folgen dem See von seiner Entstehung bis zu seiner Erforschung. Eine Abteilung zeichnet nach, wie sich im Grabenbruch aus kleinen, warmen Seen allmählich die tiefen Becken bildeten. Eine andere ist der Tier- und Pflanzenwelt gewidmet: Kieselalgen sind dort als stark vergrößerte Modelle zu sehen, daneben Präparate von Fischen, darunter Stör, Omul und die durchscheinende Golomjanka, eine Sammlung von Flohkrebsen und der winzige Ruderfußkrebs Epischura. Ein Modell zeigt eine Robbenhöhle im Eis im März mit einem Jungtier.

JahrAusstellung oder Anlage
2004Aquarienkomplex mit Durchfluss von Seewasser
2006„Virtueller Tauchgang zum Grund des Baikals“
2008Arboretum; ökologisches Bildungszentrum
2010„Baikal in Echtzeit“, „Leben unter dem Mikroskop“, „Geschichte der Unterwasserforschung“; Forschungsanlage mit 40 Aquarien
2011„Entwicklung des Lebens unter abiotischen Veränderungen der Erde“
2012Tauchboot „Pisces-11“ mit eigener Ausstellung

Weitere Räume behandeln Klima, Wasser und Eis des Sees. Eine Animation im Querschnitt durch den See zeigt, wie sich die Temperaturschichtung im Jahreslauf ändert und wie Robbe, Omul, Golomjanka und Kleinkrebse dabei auf- und absteigen. Hinzu kommen Abteilungen über die Schutzgebiete und über die Geschichte der Forschung, von den ersten russischen Beschreibungen im 17. Jahrhundert über die verbannten polnischen Naturforscher bis zur Station unter Gleb Wereschtschagin. Im Bildungszentrum können Besucher an Mikroskopen Algen, Wimpertierchen und Kleinkrebse beobachten, die in den Aquarien unsichtbar bleiben, und eine jüngere Ausstellung zeigt Unterwasserlandschaften mit Virtual-Reality-Brillen.

Welche Tiere leben in den Aquarien?

In den Aquarien leben Schwämme, große Flohkrebse, Fische und zwei Baikalrobben. Der Aquarienkomplex entstand 2004 mit elf großen Becken; die Museumsseite nennt heute neun. Das Besondere ist die Wasserversorgung: Die Becken sind durch ein Durchflusssystem mit dem See verbunden und erhalten fortlaufend unbehandeltes Baikalwasser. Die Sibirische Abteilung bezeichnete die Anlage 2011 als einzige ihrer Art, die direkt mit einem natürlichen Gewässer verbunden ist.

Zu sehen sind laut Museum Baikalschwämme, Flohkrebse der Gattung Acanthogammarus, Omul, Baikalstör und verschiedene Groppen; 2011 waren es rund 20 Fischarten. Die Robben leben in zwei großen Becken, die durch einen kurzen Tunnel verbunden sind. Neben den Schaubecken gibt es Quarantäne- und Versuchsbecken sowie seit 2010 eine eigene Anlage aus 40 Aquarien, in der Forscher die Lebenszyklen endemischer Wassertiere unter möglichst naturnahen Bedingungen untersuchen und Zuchtmethoden erproben.

Aquarium mit mehreren braun gefleckten Groppen auf Steinen, dazwischen grüne Schwämme
Abb. 2Groppen in einem Aquarium. Symbolbild

Eine Aufgabe dieser Anlagen ist es, Tiere aus großer Tiefe am Leben zu halten. Nach Angaben des Museums gelang es, Tiefwassergroppen und Flohkrebse nach dem Heraufholen zu erhalten und dabei erstmals Verhaltensweisen zu beschreiben, etwa eine Art Adoptivvaterschaft bei der Groppe Cottocomephorus inermis; Messungen bestätigten den niedrigen Stoffwechsel der Tiefseefische. Die Golomjanka, der Ölfisch der Tiefe, ist dagegen nur als Präparat ausgestellt. Wie dieser Fisch ohne Schwimmblase in Hunderten Metern Tiefe lebt, erklärt die Seite über die Golomjanka.

Wie funktioniert die Simulation eines Tauchboots?

Die Simulation ist das Modell einer Tauchkapsel für 22 Personen, in dem neun Bildschirme die Bullaugen ersetzen. Auf ihnen laufen Aufnahmen, die die Tauchboote „Mir-1“ und „Mir-2“ am Seegrund gemacht haben, sodass ein Abstieg von der Oberfläche bis in die größte Tiefe nachgestellt wird. Eine Führung erläutert dabei die Landschaften und Tiere der Tiefe. Die Ausstellung besteht seit 2006.

Das Museum war an der Mir-Expedition von 2008 bis 2010 selbst beteiligt. Nach eigenen Angaben entstanden dabei mehr als 400 Stunden Unterwasseraufnahmen in hoher Auflösung, davon 60 Stunden in 3D, zusammen rund 6 Terabyte. Seit 2012 steht links vom Haupteingang in einem gläsernen Pavillon zudem ein echtes Tauchboot, die „Pisces-11“. Boote dieses Typs erreichten Ende der 1970er- bis Anfang der 1990er-Jahre als erste die großen Tiefen des Baikals. Das Museum holte die „Pisces-11“ aus Kaliningrad; in ihrem Inneren wird heute ebenfalls ein virtueller Tauchgang gezeigt.

Welche Forschung betreibt das Museum?

Das Museum unterhält sieben Forschungsgruppen. Sie befassen sich mit der Ökologie der Baikalrobbe, mit Thermalquellen, Umweltgiften, Parasiten, Vögeln, mit experimenteller Fischkunde sowie mit Algen und Pilzen. Seit 2011 bildet das Haus auch Doktoranden in den Biowissenschaften aus.

Am bekanntesten ist die Robbenforschung, nach Angaben des Museums die einzige Forschungsrichtung in Russland, die sich eigens der Nerpa widmet. Die Gruppe um den Biologen E. A. Petrow beschrieb, dass Robben bei kürzerer Eissaison ihren Fellwechsel nicht mehr auf dem treibenden Eis abschließen können und dafür vermehrt an Land gehen, auch an neuen oder lange nicht genutzten Liegeplätzen. Sie untersuchte zudem, wie Drohnenlärm, Tourismus und Braunbären die Tiere stören, und leitete daraus Empfehlungen für Ruhezonen ab. Mehr über Lebensweise und Bestand steht auf der Seite über die Baikalrobbe (Nerpa).

Andere Gruppen zählten die Kormorane an den Brutkolonien entlang des Ufers und im Selenga-Delta, untersuchten den Überwinterungsplatz von Wasservögeln am Angara-Ausfluss, beschrieben die Lebensgemeinschaften von Kleinstlebewesen auf Plastikabfällen im See und legten eine Sammlung von rund 600 Stämmen mikroskopischer Pilze aus dem Baikal an. Die Parasitenforscher fanden bei zwei häufigen Groppenarten bis zu 60 verschiedene Parasitentaxa, darunter viele, die nur am Baikal vorkommen.

Wie geht das Museum mit der Haltung von Robben um?

Öffentlich dokumentiert ist dazu nur wenig. Belegt ist, dass schon 2011 zwei Baikalrobben in den Aquarien lebten und dass sie heute zwei verbundene große Becken nutzen, die mit Seewasser versorgt werden. Wie viele Tiere seit der Eröffnung gehalten wurden, woher sie stammen und wie lange sie dort bleiben, geht aus den öffentlich zugänglichen Angaben des Hauses nicht hervor.

Die Forschungsgruppe des Museums arbeitet mit frei lebenden Tieren. Ihre Methoden setzen auf Beobachtung aus der Ferne, etwa mit Kameras auf den Uschkani-Inseln, und ihre Empfehlungen zielen darauf, Störungen durch Menschen zu verringern. Eine unabhängige Bewertung der Haltungsbedingungen im Museum liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor; diese Seite gibt deshalb nur wieder, was das Haus und die Akademie veröffentlicht haben.

Belegte Besucherzahlen stammen aus einem Bericht der Sibirischen Abteilung vom Dezember 2011. Danach kamen im Vorjahr rund 130.000 Menschen, in Spitzenmonaten bis zu 60.000, an einzelnen Tagen bis zu 2.000. In den fünf Jahren davor waren 17 Prozent der Besucher Kinder unter zwölf Jahren und 16 Prozent ausländische Gäste. Neuere Zahlen hat das Museum nicht veröffentlicht.

Häufige Fragen zum Baikal-Museum

Gehört das Baikal-Museum zum Limnologischen Institut?

Nein, nicht mehr. Die Ausstellung entstand am Limnologischen Institut, doch seit 1993 ist das Museum eine eigene wissenschaftliche Einrichtung der Sibirischen Abteilung der Akademie. Beide arbeiten weiter zusammen, das Institut unterhält in Listwjanka zusätzlich eine eigene Forschungsstation.

Woher kommt das Wasser für die Aquarien?

Direkt aus dem Baikal. Ein Durchflusssystem leitet Seewasser ohne Aufbereitung durch die Becken, sodass Temperatur und Zusammensetzung dem natürlichen Lebensraum der Tiere möglichst nahekommen. Das erlaubt auch Versuche unter naturnahen Bedingungen.

Seit wann steht das Tauchboot „Pisces-11“ in Listwjanka?

Seit 2012. Das Boot wurde aus Kaliningrad gebracht und steht in einem gläsernen Pavillon links vom Haupteingang. Tauchboote dieses Typs erforschten den See von Ende der 1970er- bis Anfang der 1990er-Jahre.

Was zeigt die Kamera auf den Uschkani-Inseln?

Sie zeigt einen Liegeplatz der Baikalrobben im Norden des Sees, rund 350 Kilometer vom Museum entfernt. Die Bilder werden per Satellit übertragen und in der Ausstellung gezeigt. Dazu kommen Unterwasserkameras in 5 und 200 Metern Tiefe.

Was wächst im Arboretum des Museums?

Gehölze und krautige Pflanzen der Baikalregion, darunter seltene und gefährdete Arten. 2011 zählte die Akademie 236 Arten auf rund 4 Hektar, 16 davon geschützt. Das Arboretum dient dem Anbau und der Untersuchung dieser Pflanzen.

Quellen: Baikal-Museum SB RAS: Kurze Geschichte und wichtigste Forschungsergebnisse; Baikal-Museum: Aquarien; Baikal-Museum: Gruppe Ökologie der Baikalrobbe; Sibirische Abteilung der RAN: Pressemitteilung vom 2. Dezember 2011; Limnologisches Institut SB RAS: About. Weitere: Ausstellungsseiten des Museums (Tauchgang, Pisces, Echtzeit, Ursprung des Baikals, Tier- und Pflanzenwelt), Kommersant (Aquarienanlage), Antipin et al. 2001 (Quaternary International 80–81). Stand: Oktober 2026.

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