Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Forschungsblatt · Reise

Fotografieren am Baikalsee: Licht, Eis, Motive

Sonnenstand, Kältetechnik und Regeln für Kamera und Drohne

Bereich
Reise
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· 9 Min. Lesezeit
Kamera auf einem Stativ auf schneefreiem Eis vor einem Wall türkiser Eishügel in tiefer Sonne
Abb. 1Eishügel in der tiefen Sonne. Symbolbild
Kurz gesagt

Am Baikalsee bestimmt der Sonnenstand das Bild. Im Februar und März steht die Sonne auf Olchon mittags nur 26 bis 37 Grad hoch, und dieses flache Licht zeichnet Risse, Blasen und Eishügel besonders deutlich. Kälte halbiert die Akkuleistung, warme Räume lassen Objektive beschlagen. Militärische Anlagen sind tabu, Drohnenflüge in der Oblast Irkutsk seit 2023 grundsätzlich verboten.

Welches Licht herrscht am Baikalsee zu welcher Jahreszeit?

Am Baikalsee wechselt das Licht im Jahreslauf stärker als in Mitteleuropa: Im Winter bleibt die Sonne den ganzen Tag tief, im Sommer sind die Tage fast 17 Stunden lang. Der See liegt zwischen gut 51 und knapp 56 Grad nördlicher Breite, also etwa auf der Höhe von Norddeutschland bis Südschweden. Weil Irkutsk und Burjatien die Zeitzone UTC+8 nutzen, liegt der Sonnenaufgang im Winter spät, oft erst gegen 9 Uhr.

Die folgende Tabelle zeigt berechnete Werte für Chuschir auf der Insel Olchon. Wir haben sie mit dem Rechenverfahren der US-Wetterbehörde NOAA ermittelt und auf volle Minuten gerundet; je nach Ort am See weichen sie um einige Minuten ab. Die Spalte Dämmerung nennt die Dauer der bürgerlichen Dämmerung, in der die Sonne bis zu 6 Grad unter dem Horizont steht. Das ist ungefähr die Zeit, die Fotografen „blaue Stunde“ nennen.

Datum (Chuschir)AufgangUntergangTageslängeSonnenhöhe mittagsDämmerung
21. Dezember9:0316:347 h 32 min13°rund 43 min
21. Januar8:5117:138 h 22 min17°rund 40 min
21. Februar7:5618:1210 h 16 min26°rund 35 min
21. März6:5119:0512 h 13 min37°rund 35 min
21. Juni4:2321:2216 h 58 min60°rund 52 min
21. September6:3418:5312 h 19 min38°rund 35 min

Für Eisbilder bedeutet das: Selbst zur Mittagszeit fällt das Licht im Februar flach ein und streift über die Oberfläche. Die Stunden kurz nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang sind im Winter lang und warm gefärbt. Im Sommer ist das Mittagslicht dagegen hart und steil, gute Bedingungen gibt es früh am Morgen und am Abend. Um den 21. Juni sinkt die Sonne auf Olchon nachts nur gut 13 Grad unter den Horizont; der Himmel wird dann nie ganz dunkel. Für Sternaufnahmen eignen sich deshalb eher die langen, klaren Winternächte und die Nächte ab Ende August.

Wie lassen sich Klareis, Blasen, Eishügel und Grotten fotografieren?

Die bekannten Wintermotive brauchen vor allem flaches Licht und einen tiefen Standpunkt. Warum das Eis so durchsichtig ist und über tiefem Wasser schwarz wirkt, erklärt die Seite zum klaren Eis des Baikalsees. Für das Bild heißt das: Die Kamera nah an die Oberfläche bringen, Risse und Blasen seitlich anstrahlen lassen und den Himmel als Spiegelbild im Blick behalten. Ein Polarisationsfilter kann solche Spiegelungen dämpfen. Am stärksten wirkt er, wenn man schräg auf das Eis blickt, rechnerisch bei rund 53 Grad zur Senkrechten, dem Brewster-Winkel von Eis.

Klareis aus Bodennähe fotografiert mit Blasen und einem Riss im Vordergrund, die Sonne am Horizont
Abb. 2Bodennahe Perspektive über Klareis. Symbolbild

Die weißen Scheiben im Eis wirken am plastischsten, wenn man ihre Stapel schräg von oben aufnimmt, sodass die Lagen hintereinander sichtbar werden. Wie die gestapelten Methanblasen im Baikal-Eis entstehen, erklärt die eigene Seite. Pulverschnee auf der Oberfläche lässt sich mit einer weichen Bürste beiseiteschieben. Wasser zum Freilegen ist ungeeignet, weil es sofort zu einer trüben Schicht gefriert.

An den aufgestellten Schollen der Eishügel auf dem Baikalsee entsteht das bekannte Türkis vor allem im Gegenlicht, wenn tiefstehende Sonne durch die Länge einer Scholle fällt. In den Eisgrotten an den Felsufern gilt dasselbe: Von innen nach außen gegen das Licht fotografiert, leuchten die Zapfen. Helle Eis- und Schneeflächen verleiten die Belichtungsmessung der Kamera dazu, zu dunkel zu belichten; eine Korrektur um ein bis zwei Blendenstufen nach oben ist bei Schnee üblich.

Was macht die Kälte mit Kamera, Akkus und Händen?

Kälte verringert vor allem die Akkuleistung. Nach Angaben des Fachportals Battery University liefert ein Akku, der bei 27 Grad volle Kapazität hat, bei −18 Grad typischerweise nur rund die Hälfte. Der Verlust ist vorübergehend; warm geworden, gibt der Akku die Energie wieder ab. Lithium-Ionen-Akkus dürfen unter dem Gefrierpunkt nicht geladen werden. In Irkutsk liegt das Monatsmittel im Januar bei rund −18 Grad, auf dem offenen Eis kommt Wind hinzu.

ProblemUrsacheAbhilfe
Akku schnell leerKälte erhöht den InnenwiderstandErsatzakkus körpernah tragen, im Wechsel nutzen
Beschlagene Linse, Feuchtigkeit im Gehäusewarme, feuchte Raumluft kondensiert auf kaltem Glas und MetallKamera vor dem Betreten in einen dichten Beutel packen und dort langsam erwärmen lassen
Beschlagener SucherAtemluft gefriert am OkularAtem vom Sucher wegdrehen, Display nutzen
Träges DisplayFlüssigkristalle reagieren bei Frost langsamerKamera zwischen den Aufnahmen unter der Jacke tragen
Kalte Finger, Haut am MetallMetall leitet Wärme schnell abdünne Handschuhe unter Fäustlingen, Stativbeine umwickeln

Kondenswasser ist das größere Risiko für die Technik. Wer eine eiskalte Kamera direkt in einen geheizten Raum trägt, holt sich Feuchtigkeit ins Gehäuse, die beim nächsten Gang nach draußen gefrieren kann. Speicherkarten und Akkus sollte man deshalb draußen wechseln oder warten, bis das Gerät im verschlossenen Beutel Raumtemperatur erreicht hat. Für den Flug gilt nach den Regeln des internationalen Luftverkehrsverbands IATA: Ersatzakkus und Powerbanks gehören ins Handgepäck, einzeln gegen Kurzschluss geschützt.

Welche Motive bietet der Sommer?

Im Sommer verschiebt sich der Schwerpunkt vom Eis auf Landschaft, Wasser und Licht. Die Steppenhänge auf Olchon und am Kleinen Meer, die klaren Kiesufer und die Felsküsten wirken am frühen Morgen und am Abend am stärksten, wenn die Sonne flach steht und Schatten wirft. Im Juni und Juli ist die Sonne dafür früh auf: Auf Olchon geht sie um den 21. Juni gegen 4:20 Uhr auf. Das kalte Seewasser lässt an warmen Tagen öfter Dunst und Nebelbänke entstehen, besonders im Frühsommer, wenn feuchte, warme Luft über den noch kalten See strömt.

Zwei Einschränkungen gehören zur Planung. Bei Waldbränden kann Rauch die Sicht über Tage trüben; das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass großflächige Brände in Sibirien im Sommer die Luftqualität erheblich beeinträchtigen können. Und Tieraufnahmen setzen Abstand voraus: Die Liegeplätze der Baikalrobben auf den Uschkani-Inseln sind nur mit Sondergenehmigung der Nationalparkverwaltung zugänglich, und die Verwaltung hat 2024 eigens eine Anordnung erlassen, um Lärm durch Luftfahrzeuge an den Robbenplätzen zu verhindern.

Was darf man in Russland nicht fotografieren, und was gilt für Drohnen?

Militärische Anlagen sind in Russland nicht zu fotografieren, und nicht jedes Verbot ist ausgeschildert. Das Auswärtige Amt schreibt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen: „Bei einigen staatlichen Einrichtungen ist das Fotografieren verboten.“ Und weiter: „Militärische Einrichtungen und technische Produktionsstätten sollten grundsätzlich nicht fotografiert werden.“ Am Baikal betrifft das in der Praxis auch Kraftwerke, Bahnanlagen, Brücken, Grenz- und Polizeieinrichtungen; hier ist Zurückhaltung angebracht, auch wenn kein Schild steht. Das Amt warnt zudem, dass Mobiltelefone, Tablets und Laptops bei der Einreise kontrolliert werden können und Fotos auch nach dem Löschen wiederhergestellt und ausgewertet werden können. Das gesamte Lagebild beschreibt die Seite Reiselage und Reisewarnung; das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in die Russische Föderation.

Für Drohnen gelten in Russland strenge Regeln, und in der Oblast Irkutsk ist ihr Einsatz grundsätzlich verboten. Nach dem russischen Luftfahrtgesetz müssen zivile Drohnen ab einer bestimmten Startmasse bei der Luftfahrtbehörde erfasst werden; für einen Flug braucht es nach einer Übersicht der Staatsduma eine Genehmigung zur Nutzung des Luftraums, über Ortschaften zusätzlich die Zustimmung der Gemeinde. Ungenehmigte Flüge können mit Geldbußen geahndet werden. In der Oblast Irkutsk, zu der Listwjanka, Olchon und das gesamte Westufer gehören, verbietet ein Erlass des Gouverneurs vom 6. Mai 2023 (Nr. 138-уг) die Nutzung von Drohnen ab dem 10. Mai 2023 „bis auf besondere Anordnung“. Ausgenommen sind Behörden und bestimmte Organisationen; alle anderen dürfen nur nach einer Entscheidung eines regionalen Einsatzstabs fliegen. Der Erlass wurde 2023 und 2024 geändert, aber nicht aufgehoben. Ob in Burjatien am Ostufer vergleichbare Regeln gelten, konnten wir nicht belegen. Für Reisende gibt es damit praktisch keinen einfachen legalen Weg, am Westufer eine Drohne zu starten.

Wie fotografiert man Menschen, heilige Orte und Schutzgebiete respektvoll?

Menschen fotografiert man am besten erst nach einer Frage, an heiligen Orten mit Zurückhaltung. Auf Russisch lautet die Bitte „Можно вас сфотографировать?“, in Umschrift „Moschno was sfotografirowat?“. Am Kap Burchan, an vielen Kaps auf Olchon und an Pässen stehen Serge, hölzerne Ritualpfähle, an denen Gläubige Stoffbänder befestigen, und Oboo genannte Steinhaufen. Was sie bedeuten und welche Regeln Gläubige nennen, beschreibt die Seite über den Schamanismus am Baikalsee. Für Besucher heißt das: Serge nicht berühren, beklettern oder als Stativ benutzen, keine Bänder entfernen und Zeremonien nicht ungefragt aufnehmen. In buddhistischen Tempeln ist das Fotografieren im Inneren vielfach nicht oder nur mit Erlaubnis gestattet; Hinweise am Eingang gehen vor.

Große Teile der Ufer gehören zu Nationalparks und Reservaten, in denen eigene Regeln gelten. Olchon und ein Streifen des Westufers liegen im Pribaikalski-Nationalpark, die Halbinsel Swjatoi Nos und die Uschkani-Inseln im Sabaikalski-Nationalpark. Dessen Verwaltung schreibt vor, Müll mitzunehmen, nur an ausgewiesenen Plätzen zu übernachten und die Genehmigung bei sich zu tragen. Zonen mit Reservatsstatus sind für Erholung und Tourismus gesperrt, das Bargusin-Reservat darf nur mit schriftlicher Genehmigung betreten werden. Für gewerbliche Foto- und Filmaufnahmen sollte man vorab bei der jeweiligen Verwaltung nachfragen.

Häufige Fragen zum Fotografieren am Baikalsee

Funktioniert ein Smartphone bei sibirischer Kälte?

Ja, aber nur begrenzt. Der Akku verliert bei starkem Frost schnell Leistung, und manche Geräte schalten sich bei niedriger Akkuspannung ab, obwohl noch Restladung angezeigt wird. Ein Telefon in der Innentasche und eine Powerbank am Körper verlängern die Nutzungszeit deutlich.

Kann man durch das Eis bis auf den Grund fotografieren?

An flachen Ufern ja. Dort reflektieren Steine und Pflanzen das Licht, und durch eine klare Eisplatte sind sie wie unter Glas zu sehen. Über tiefem Wasser kommt kaum Licht zurück; das Eis erscheint dann schwarz, und nur Risse und Blasen zeichnen sich ab.

Wann sind am Baikal Nachtaufnahmen des Sternenhimmels möglich?

Am besten in den langen, klaren Winternächten und ab Ende August. Um die Sommersonnenwende wird es auf der Höhe des Sees nicht völlig dunkel, weil die Sonne nachts nur gut 13 Grad unter den Horizont sinkt. Lichtarme Orte fern der Siedlungen bieten den dunkelsten Himmel.

Wie nah darf man den Baikalrobben kommen?

Nicht nah. Die Tiere sind scheu, und ihre wichtigsten Liegeplätze auf den Uschkani-Inseln sind nur mit Sondergenehmigung der Nationalparkverwaltung zugänglich. Aufnahmen gelingen in der Regel nur mit langer Brennweite aus großem Abstand.

Braucht man auf dem Eis ein Stativ?

Für Dämmerung, Sterne und tiefe Perspektiven ist es nützlich. Auf blankem Eis rutschen glatte Stativfüße leicht weg, und bei Wind überträgt sich jedes Zittern. Umwickelte Beine schützen zudem die Hände vor dem eiskalten Metall.

Quellen: Auswärtiges Amt, Russische Föderation: Reise- und Sicherheitshinweise (Reisewarnung), Stand 21.10.2026; Gouverneur der Oblast Irkutsk: Erlass Nr. 183-уг vom 26.04.2024 zur Änderung des Drohnenverbots Nr. 138-уг; Staatsduma: Wie das neue Gesetz die Regeln für Drohnen ändert (2019); Sapowednoje Podlemorje: Regeln für Besucher; Battery University: Discharging at High and Low Temperatures; NOAA Solar Calculator. Stand: Oktober 2026.

Baikalsee.info

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Reiselage Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor Reisen nach Russland. Aktueller Stand: auswaertiges-amt.de