Die Tschiwyrkui-Bucht ist eine rund 270 bis 300 Quadratkilometer große Bucht am Nordostufer des Baikalsees zwischen der Halbinsel Swjatoi Nos und dem Festland. Weil sie in ihrem inneren Teil sehr flach und gegen den offenen See abgeschirmt ist, erwärmt sie sich im Sommer auf 22 bis 24 °C. Die Bucht gehört zum Sabaikalski-Nationalpark.
Wo liegt die Tschiwyrkui-Bucht und wie ist sie gebaut?
Sie liegt am mittleren Ostufer des Baikalsees und wird im Westen von der Halbinsel Swjatoi Nos, im Süden von der flachen Tschiwyrkui-Landenge und im Osten vom Festland umschlossen. Nur nach Norden öffnet sie sich zum See, zwischen dem Kap Werchneje Isgolowje an der Nordspitze der Halbinsel und dem Kap Maly Suchoi. Diese Öffnung ist rund 14 Kilometer breit. Von dort reicht die Bucht 27 bis 28 Kilometer nach Süden ins Land, weiter als jede andere Bucht des Baikal.
Ihre Fläche geben die Quellen unterschiedlich an. Die Limnologin Irina Kaigorodowa und der Biologe Nikolai Pronin nennen in einer Facharbeit von 2013 rund 270 Quadratkilometer bei höchstens 13 Kilometern Breite, Nachschlagewerke meist rund 300 Quadratkilometer bei 6 bis 14 Kilometern Breite. Den Namen gab der Fluss Bolschoi Tschiwyrkui, der an ihrem Nordostende mündet; früher hieß sie nach dem Dorf Kurbulik auch Kurbulikski saliw.
Der Boden steigt vom Eingang gleichmäßig zum Inneren an. Tiefen über 100 Meter gibt es nach Kaigorodowa und Pronin nur im Eingangsbereich, der größte Teil der Bucht ist weniger als 25 Meter tief. Die innere Bucht, auf die sich die Angaben des Nationalparks beziehen, ist an kaum einer Stelle tiefer als etwa zehn Meter; am sumpfigen Südufer, wo der Istok aus dem Arangatui-See mündet, sind es höchstens vier. Der Grund ist überwiegend sandig, am Ausgang ab 20 bis 30 Metern Tiefe schlickig, in den Nebenbuchten bedeckt ihn schwarzer oder brauner Schlamm. Im 19. Jahrhundert lagen am Eingang noch Sandbänke und Nehrungen; die Bucht glich damals einem typischen Sor, einer abgeschnürten Flachwasserlagune.
Entstanden ist sie zusammen mit der Landenge, die die frühere Insel Swjatoi Nos mit dem Festland verbunden hat. Wie Flusssand und Sturmwälle diese Verbindung aufbauten, beschreibt die Seite über die Halbinsel Swjatoi Nos und die Landenge von Tschiwyrkui.

Warum ist das Wasser in der Tschiwyrkui-Bucht so warm?
Weil wenig Wasser auf großer Fläche liegt und die Bucht vor dem offenen See geschützt ist. Flaches Wasser erwärmt sich unter der langen Sommersonne schnell, und die Berge von Swjatoi Nos schirmen die Bucht gegen Winde ab, die an offenen Küsten kaltes Wasser aus der Tiefe heranführen. Nach Angaben der Parkverwaltung erreicht das Wasser im Sommer 22 bis 24 °C, während der offene See im August an der Oberfläche meist nicht über rund 16 °C hinauskommt.
Der Unterschied zur Nachbarbucht zeigt, wie viel die Abschirmung ausmacht. Die große Bargusin-Bucht südlich von Swjatoi Nos ist offen und bis über 1.200 Meter tief; dort steigt die Temperatur Ende Juli in Ufernähe auf 20 bis 21 °C, doch starker Wind vom offenen See treibt immer wieder kaltes Wasser heran. Die Tschiwyrkui-Bucht gilt dagegen in der Fachliteratur als besonders windgeschützt. Wie sich die Temperaturen im ganzen See verteilen, erklärt die Seite über Wassertemperatur und Baden im Baikalsee.
Für Forscher ist die Bucht deshalb ein Gefälle im Kleinen. Kaigorodowa und Pronin beschreiben den Weg vom Arangatui-See über die Bucht bis in den offenen Baikal als vollständige Abfolge von der warmen, nährstoffreichen Sor-Zone bis zum kalten, nährstoffarmen Wasser des Sees. Geringe Tiefe, Windschutz, dichte Unterwasservegetation, viel Sauerstoff und viel abgestorbenes Pflanzenmaterial am Grund schaffen nach ihrer Darstellung günstige Bedingungen für Bodentiere und Fische.
Welche Inseln und Nebenbuchten gibt es?
In der Bucht liegen nach Angaben der Parkverwaltung sieben Felsinseln. Ihre Namen haben fast alle eine volkstümliche Zweitform: Baklani (Schimai), Bolschoi Kyltygei (Lochmaty, „der Zottige“), Maly Kyltygei (Goly, „der Kahle“), Jelena, Okunewy Kamuschek (Pokoinizki), Bely Kamen, auch Omulewy Kamuschek oder Besymjanny Kamen genannt, und Kopjoschka.
- Baklani ist die größte der sieben Inseln, von Lärchenwald bedeckt, der vom Grat bis ans Wasser reicht; an ihrer Südwestseite steht ein auffälliger senkrechter Felsen.
- Bolschoi Kyltygei im Nordwesten der Bucht ragt rund 60 Meter über den Wasserspiegel und trägt einen lichten Lärchenwald und Vorkommen eines weißen Mohns, den die Verwaltung als Endemiten des Baikal bezeichnet.
- Maly Kyltygei liegt etwas weiter südlich, ist felsig und baumlos; auf Gesimsen und Steilwänden brüten Kormorane und Silbermöwen.
- Besymjanny Kamen ist ein kahler, oben abgeflachter Felsklotz, der seit Langem für seine Vogelkolonie bekannt ist.
Die Inseln gehören zu den besonders geschützten Zonen des Nationalparks und dürfen nur in Begleitung von Mitarbeitern und mit Genehmigung der Verwaltung betreten werden. Gleiches gilt im Nationalpark für Buchten mit Reservatsstatus wie Ongokon, Fertik und Besymjannaja, die für Erholung ganz gesperrt sind.
Die Ufer sind stark gegliedert, vor allem auf der Seite von Swjatoi Nos, wo eine Kette kleiner, windgeschützter Buchten aufeinanderfolgt. Die bekannteste ist die Smeinaja, die „Schlangenbucht“. Dort tritt unmittelbar am Ufer schwefelwasserstoffhaltiges Thermalwasser mit rund 40 bis 45 °C aus, und in seinem milden Kleinklima überlebt eine Reliktpopulation der Ringelnatter. Mehr über die Quellen und die übrigen Teile des Parks steht auf der Seite über den Sabaikalski-Nationalpark.
Welche Orte liegen an der Bucht?
Am Westufer, auf der Seite der Halbinsel, liegen drei kleine Siedlungen: von Süden nach Norden Monachowo, Katun und Kurbulik. Monachowo liegt rund 40 Kilometer nördlich von Ust-Bargusin, Katun rund 46 und Kurbulik rund 50 Straßenkilometer. Alle drei gehören zur städtischen Gemeinde Ust-Bargusin im Rajon Bargusin. In Kurbulik und Katun leben nach Angaben der Parkverwaltung zusammen rund 140 Menschen. Am Nordostende der Bucht, an der Mündung des Bolschoi Tschiwyrkui, lag die gleichnamige Siedlung Tschiwyrkui, die heute verlassen ist.
Die Orte liegen innerhalb des Nationalparks. Die Parkverwaltung unterhält Kontroll- und Beobachtungsposten in Kurbulik, an der Smeinaja-Bucht und im Sommer in Monachowo. Die Verbindung nach Süden führt über eine unbefestigte Straße von Ust-Bargusin über die Landenge, zum großen Teil am Strand der Bargusin-Bucht entlang. An der Bucht betreibt außerdem das Institut für Allgemeine und Experimentelle Biologie in Ulan-Ude eine biologische Station, an der unter anderem von 1996 bis 2012 Fische und ihre Parasiten untersucht wurden.
Welche Tiere und Pflanzen leben in der Bucht?
Vor allem Arten des warmen Flachwassers. Typische Fische sind Barsch, Plötze und Hecht, der hier nach russischen Angaben bis zu zehn Kilogramm schwer wird. Aus dem See kommen Lachsfische hinzu: Die Tschiwyrkui-Bucht ist das Laichgebiet eines eigenen Bestands des Omul, des Tschiwyrkui-Omul, und eines Bestands der Baikal-Renke, die anders als der Omul im See selbst laicht.
Den Grund bedecken in weiten Teilen dichte Rasen von Wasserpflanzen. Unter ihnen breitet sich seit den späten 1970er-Jahren die aus Nordamerika eingeschleppte Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) aus; nach dem Bericht der IUCN von 2025 erreicht sie am Baikal ihre größte Häufigkeit in den Buchten, namentlich in der Tschiwyrkui- und der Bargusin-Bucht. Die Bodenfauna ist reich: Allein bei den Egeln wiesen Kaigorodowa und Pronin 22 Arten und 2 Unterarten nach, vier Formen davon erstmals für den Baikal. Die größte Vielfalt fanden sie im nährstoffreichsten Teil der Bucht.
Auf den Felsinseln brüten Kormorane und Silbermöwen. Der Kormoran war hier ausgestorben, das letzte Nest fand man 1967; nach seiner Rückkehr brüteten in der Bucht 2015 bis 2017 rund 3.200 bis 3.500 Paare. Am Arangatui-See auf der Landenge brüten nach Angaben der Parkverwaltung unter anderem Singschwäne, Prachttaucher und Große Brachvögel. Die bekannten Liegeplätze der Baikalrobben liegen nicht in der Bucht, sondern auf den Uschkani-Inseln draußen im See.

Wie belastet der Besucherandrang die Bucht?
Spürbar, weil sie zu den meistbesuchten Orten des Nationalparks gehört. Sandstrände, warmes Wasser, Inseln, Thermalquellen und das Angeln im Sommer und Winter ziehen nach Angaben der Parkverwaltung viele Menschen an. Für die Direktion Sapowednoje Podlemorje, die den Nationalpark und das Bargusin-Reservat verwaltet, nennt die IUCN für 2022 fast 52.000 erfasste Besucher, die meisten im Nationalpark. Die Verwaltung verlangt deshalb für jeden Aufenthalt eine Anmeldung, lässt Übernachtungen nur an ausgewiesenen Plätzen zu und verbietet synthetische Waschmittel in Gewässern; seit 2024 sind Wassermotorräder und Motorschlitten im Park untersagt.
Ein Grund für diese Regeln ist die Empfindlichkeit des warmen Flachwassers. Nährstoffe aus Abwasser und Abfällen können dort das Wachstum von Algen und Wasserpflanzen stärker begünstigen als im kalten, tiefen See. Seit etwa 2010 breiten sich am Baikal fadenförmige Grünalgen der Gattung Spirogyra in der Uferzone aus; nach Untersuchungen des Limnologischen Instituts Irkutsk, die die IUCN zitiert, betraf das mehr als 30 Prozent der Uferzone. Ob die Alge eingeschleppt wurde oder sich nur stark vermehrt hat, ist unter Fachleuten umstritten. Ob und wie stark die Tschiwyrkui-Bucht betroffen ist, beziffern die ausgewerteten Quellen nicht. Ursachen und Folgen erklärt die Seite über Abwasser, Algen und Spirogyra am Baikalsee.
Wie verändert sich die Bucht im Lauf des Jahres?
Kaum ein Teil des Sees schwankt so stark. Flache Buchten wie die Tschiwyrkui-Bucht enthalten wenig Wasser, das abkühlen muss, und frieren im Herbst 10 bis 30 Tage vor dem offenen See zu. Im Winter wird auf dem Eis geangelt; die Verwaltung nennt das Angeln im Sommer wie im Winter ausdrücklich als Nutzung der Bucht. Im Sommer wird dasselbe Wasser zum wärmsten Teil des mittleren Baikal.
Auch über lange Zeiträume ist die Bucht ein Archiv. An einem Aufschluss an ihrem Ufer haben japanische und russische Forscher Pollen aus Ablagerungen seit dem Spätglazial untersucht und daraus die Vegetationsgeschichte des Ostufers nach der letzten Eiszeit rekonstruiert.
Häufige Fragen zur Tschiwyrkui-Bucht
Wie tief ist die Tschiwyrkui-Bucht?
Das hängt vom Abschnitt ab. Die innere Bucht ist meist nicht tiefer als etwa zehn Meter, am Südufer nur wenige Meter. Zum Eingang hin fällt der Grund ab; dort werden nach Fachliteratur über 100 Meter erreicht.
Darf man die Inseln in der Bucht betreten?
Nur in Begleitung von Mitarbeitern des Nationalparks und mit Genehmigung der Verwaltung. Die sieben Inseln gehören zu den besonders geschützten Zonen, weil ihre Pflanzen und Vogelkolonien sehr empfindlich sind.
Woher hat die Bucht ihren Namen?
Vom Fluss Bolschoi Tschiwyrkui, der an ihrem Nordostende mündet. Früher war nach dem Dorf am Westufer auch der Name Kurbulik-Bucht gebräuchlich.
Friert die Tschiwyrkui-Bucht früher zu als der offene See?
Ja. Weil sie flach ist, kühlt sie im Herbst schneller ab und bedeckt sich 10 bis 30 Tage früher mit Eis als das offene Wasser vor Swjatoi Nos.
Gibt es an der Bucht warme Quellen?
Ja, an der Smeinaja-Bucht am Westufer. Das schwefelwasserstoffhaltige Wasser tritt dort mit rund 40 bis 45 °C direkt am Ufer aus. Die Quelle liegt im Nationalpark.
Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Sehenswürdigkeiten (Tschiwyrkui-Bucht, Inseln, Smeinaja); Sapowednoje Podlemorje: Regeln für Besucher; Sapowednoje Podlemorje: Sabaikalski-Nationalpark; Kaigorodowa, Pronin (2013): New Records of Lake Baikal Leech Fauna in Chivyrkuy Gulf, The Scientific World Journal; IUCN World Heritage Outlook: Lake Baikal (2025); Kataoka, Takahara, Krivonogov u. a. (2003): Pollen Record from the Chivyrkui Bay Outcrop, in: Long Continental Records from Lake Baikal; ergänzend Wikipedia (russisch): Чивыркуйский залив, Курбулик, Катунь, Монахово. Stand: Oktober 2026.
