Swjatoi Nos ist mit rund 596 Quadratkilometern die größte Halbinsel des Baikalsees. Das Bergmassiv am Ostufer ist rund 53 bis 54 Kilometer lang und erreicht knapp 1.880 Meter Höhe. Eine flache, sumpfige Landenge verbindet es mit dem Festland; vor einigen Jahrtausenden war Swjatoi Nos noch eine Insel. Die Halbinsel gehört zum Sabaikalski-Nationalpark.
Wie groß ist Swjatoi Nos und wie ist die Halbinsel gebaut?
Swjatoi Nos ist ein langgestrecktes Bergmassiv, das vom Ostufer aus weit in den mittleren Baikal hineinragt. Die Halbinsel misst rund 596 Quadratkilometer, ist 53 bis 54 Kilometer lang und bis zu 20 Kilometer breit. Sie reicht vom Kap Werchneje Isgolowje, dem „oberen Kopfende“, im Nordosten bis zum Kap Nischneje Isgolowje, dem „unteren Kopfende“, im Südwesten.
Über die ganze Länge zieht ein Hauptkamm von Südwest nach Nordost, parallel zum Akademikerrücken unter Wasser. Die Parkverwaltung nennt für die höchsten Gipfel 1.651 Meter im Norden und 1.877 Meter im Süden. Damit erhebt sich das Massiv fast anderthalb Kilometer über den Seespiegel, der bei 455,5 Metern liegt. Auf dem Kamm liegt eine Hochfläche, von der Bäche in tief eingeschnittenen Rinnen zum Ufer stürzen. Der größte Fluss der Halbinsel, die Krestowskaja, fließt vom Kamm nach Nordosten in die Bucht Smeinaja.
| Quelle | Höchster Punkt | Bemerkung |
|---|---|---|
| Verwaltung des Sabaikalski-Nationalparks | 1.877 m | Südteil; im Nordteil 1.651 m |
| Russische Wikipedia | 1.878 m | Berg Markowa |
| Deutsche Wikipedia | 1.898 m | nach anderen Angaben 1.877 m |
Die abweichenden Werte zeigen, wie unterschiedlich Höhen in älteren Karten und Nachschlagewerken erfasst wurden. Unstrittig ist die Gestalt: Zur Bargusin-Bucht im Süden fällt das Massiv hoch und steil ab, nach Nordwesten blickt man von den Gipfeln auf die Uschkani-Inseln und nach Nordosten auf die Bargusin-Kette am Festland.
Wie entstand die Landenge von Tschiwyrkui?
Die Landenge entstand, als Sedimente zweier Flüsse einen Meeresarm zwischen der früheren Insel und dem Ostufer auffüllten. Schon 1916 kam der Limnologe Gleb Wereschtschagin bei seinen ersten Arbeiten am Baikal zu dem Schluss, dass Swjatoi Nos einst eine Insel war. Die Meerenge, die sie vom Festland trennte, wurde nach seiner Deutung von Sandwällen abgeschnürt, die der Fluss Bargusin anschwemmte. Die Seen der Landenge hielt er für Reste dieses Durchlasses.
Der Geologe G. L. Dmitrijew untersuchte die Ebene später genauer. Er unterschied vier Phasen: einen flachen Sund, in den die Flüsse Bargusin und Maly Tschiwyrkui ihre Fracht trugen, eine Barre, die den Sund vom Ostufer her schloss, eine Phase, in der die ersten Strandwälle an der heutigen Halbinsel ansetzten, und die Gegenwart. Auf dem Teil der Landenge, der Mjagkaja Karga heißt, zählte er über 200 parallele Strandwälle. Jeder entstand bei einem schweren Sturm, der Sand und Kies an Land warf. Die Wälle sind höchstens 1 bis 1,5 Meter hoch und liegen 20 bis 50 Meter auseinander, dazwischen stehen schmale Seen und Moore.
Aus der Zahl der Wälle und der Häufigkeit schwerer Stürme schätzte Dmitrijew, dass die Wallebene in 3.000 bis 15.000 Jahren entstand. Das ist eine Größenordnung, kein Datum. Darunter liegt eine weit mächtigere Füllung: Geophysikalische Messungen ergaben bis zu 500 Meter lockere Sedimente, und eine Bohrung von 1905 und 1906 durchteufte 360 Meter geschichtete Sande und Tone, ohne das Grundgebirge zu erreichen.

Heute ist die Landenge eine flache, sumpfige Ebene, kaum über dem Wasserspiegel. Rund ein Drittel nimmt der flache See Arangatui ein, nach Angaben der Parkverwaltung 54,2 Quadratkilometer groß und nicht tiefer als fünf Meter, über den Wasserlauf Istok mit der Tschiwyrkui-Bucht verbunden. Nach Dmitrijews Befund ist er jünger als die Strandwälle. Daneben liegen die Kulinyje-Sümpfe, ein Brut- und Rastgebiet für viele Vögel, und nahe Ust-Bargusin die schwach salzigen Bormaschowoje-Seen, deren Schlamm seit langem für Heilbäder genutzt wird. Auf den Dünen am Ufer wachsen nach Angaben des Parks Hochgebirgs- und Steppenarten auf engem Raum nebeneinander.
Woher hat die Halbinsel ihren Namen?
Der Name stammt von russischen Entdeckern des 17. und 18. Jahrhunderts, für die „Nos“, wörtlich Nase, ein Kap bezeichnete. Swjatoi Nos, „Heilige Nase“, hieß zunächst nur das südwestliche Kap Nischneje Isgolowje. Dort bestand bis vor einigen Jahrzehnten eine kleine Siedlung gleichen Namens. Später ging die Bezeichnung auf die ganze Halbinsel über.
Der burjatische Name ist älter und anschaulicher. Chilmen Chuschuun bedeutet „Schnauze des Störs“ und beschreibt den langen, gewölbten Umriss des Massivs, das vom Wasser aus an den Kopf eines Fisches erinnert. Burjatische Schamanen hielten auf der Halbinsel seit langem Zeremonien zur Verehrung der Naturgeister ab.
Welche Pflanzen und Tiere leben auf Swjatoi Nos?
Die Pflanzendecke ist, wie in den Gebirgen rund um den Baikal, nach der Höhe gestaffelt. In groben Zügen wachsen am Ufer und an den unteren Hängen Kiefern und Lärchen, darüber Bergtaiga mit Sibirischer Zirbelkiefer und Tanne. Nach oben folgen Dickichte der Zwergkiefer, deren Zweige am Boden kriechen, und im zentralen Teil des Kamms Bergtundra. Der Nationalpark, zu dem die Halbinsel gehört, verzeichnet mehr als 10.000 Hektar besonders wertvoller Bestände von Kiefern-, Zirbel- und Tannenwald im Alter von 200 Jahren und mehr. Insgesamt zählt er vorläufig 977 Arten und Unterarten von Gefäßpflanzen, darunter den Daurischen Rhododendron und mehrere Arten der Roten Liste.

Für den ganzen Park nennt die Verwaltung 303 Arten von Landwirbeltieren, darunter 48 Säugetier- und 249 Vogelarten. Typisch sind Braunbär, Wolf, Fuchs, Luchs, Zobel, Fischotter, Vielfraß, Elch, Moschustier, Eichhörnchen, Streifenhörnchen und Schneehase. Wie die Bären an den Ufern des Nordostens leben, beschreibt die Seite über Braunbären am Baikalsee.
Im See vor der Halbinsel leben Baikalrobben. Ihre größten Liegeplätze befinden sich jedoch nicht an der Halbinsel selbst, sondern auf den Uschkani-Inseln, die rund acht Kilometer nordwestlich von Swjatoi Nos aus dem Wasser ragen und die höchsten Teile des Akademikerrückens bilden. Mehr dazu steht auf der Seite über die Uschkani-Inseln. Vor Kap Nischneje Isgolowje bilden sich im Spätwinter besonders häufig dunkle Ringe aus dünnem Eis. Das Limnologische Institut in Irkutsk untersuchte im März 2024 die Strömungen und die Wasserschichtung in diesem Gebiet.
Was prägt die Buchten beiderseits der Halbinsel?
Die Halbinsel trennt zwei Buchten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Nördlich der Landenge liegt die flache Tschiwyrkui-Bucht, rund 300 Quadratkilometer groß, 28 Kilometer lang und 6 bis 14 Kilometer breit, an keiner Stelle tiefer als etwa zehn Meter. Sie erwärmt sich im Sommer nach Angaben der Parkverwaltung auf 22 bis 24 °C und zählt damit zu den wärmsten Gewässern des Sees. In ihr liegen sieben Felsinseln mit Vogelkolonien, darunter Baklani, Bolschoi und Maly Kyltygei sowie die Insel Jelena.
Südlich liegt die Bargusin-Bucht, die größte und tiefste Bucht des Baikals. Sie ist rund 725 Quadratkilometer groß und bis 1.284 Meter tief, ihr Eingang zwischen Kap Nischneje Isgolowje und Kap Krestowy misst 22,8 Kilometer. An ihrer Nordostseite zieht sich ein 26 Kilometer langer Sandstrand von der Flur Cholodjanka bis zur Flur Glinka. Im Inneren der Bucht steigt die Wassertemperatur Ende Juli in Ufernähe auf 20 bis 21 °C, doch starker Wind vom offenen See kann binnen kurzer Zeit kaltes Wasser heranführen. Wie sich der See insgesamt in Becken und Buchten gliedert, erklärt die Seite über Becken und Buchten des Baikalsees.
Wo gibt es auf Swjatoi Nos Thermalquellen?
Die bekannteste Quelle liegt an der Bucht Smeinaja am Westufer der Tschiwyrkui-Bucht. Das Wasser tritt dort unmittelbar am Ufer aus, ist schwefelwasserstoffhaltig und nach Angaben der Parkverwaltung etwa 40 bis 45 °C warm. Es wird gegen Erkrankungen des Bewegungsapparats genutzt. Eine zweite Thermalquelle im Park ist die Netschajewski-Quelle.
Der Name Smeinaja, „Schlangenbucht“, geht auf die Schlangen zurück, die hier leben: die Ringelnatter und die giftige Halys-Grubenotter. Die Ringelnattern bilden nach Angaben der Parkverwaltung eine Reliktpopulation, die am Baikal nur dank des milden Kleinklimas der warmen Quellen überlebt. Ihre Zahl ist gering.
Wie ist die Halbinsel erschlossen und geschützt?
Swjatoi Nos ist nur dünn besiedelt. In den Grenzen des Nationalparks liegen die Siedlungen Kurbulik und Katun an der Tschiwyrkui-Bucht, in denen nach Angaben der Parkverwaltung zusammen rund 140 Menschen leben. Monachowo am Südwestufer der Bucht liegt rund 40 Kilometer nördlich von Ust-Bargusin, Kurbulik nach Straßenkilometern rund 50. Eine unbefestigte Straße führt von Ust-Bargusin über die Landenge, weitgehend entlang des Strandes der Bargusin-Bucht. Von Monachowo und der Flur Glinka führen Pfade auf die Hochfläche.
Die ganze Halbinsel gehört mit den angrenzenden Wasserflächen zum Sabaikalski-Nationalpark, der am 12. September 1986 gegründet wurde und rund 269.000 Hektar umfasst. Er ist in Zonen unterschiedlichen Schutzes gegliedert, von streng geschützten Kernzonen bis zu Flächen für traditionelle Nutzung. Für den Aufenthalt auf dem Parkgebiet sieht die Verwaltung eine Anmeldung vor. Wie der Park insgesamt aufgebaut ist und welche Gebiete er sonst umfasst, beschreibt die Seite über den Sabaikalski-Nationalpark.
Zur Geschichte der Halbinsel gehört auch ein Unglück: 1981 prallte ein Verkehrsflugzeug vom Typ Il-14 auf dem Weg von Nischneangarsk nach Ust-Bargusin gegen einen Berg auf Swjatoi Nos. Nach russischen Angaben kamen 48 Menschen ums Leben.
Häufige Fragen zu Swjatoi Nos
Ist Swjatoi Nos eine Insel?
Heute nicht. Swjatoi Nos ist durch die Landenge von Tschiwyrkui fest mit dem Ostufer verbunden. Vor einigen Jahrtausenden trennte ein flacher Sund das Massiv vom Festland, bis Flusssedimente und Sturmwälle ihn auffüllten.
Wie hoch ist der höchste Berg der Halbinsel?
Die Angaben liegen zwischen 1.877 und 1.898 Metern. Die Verwaltung des Nationalparks nennt 1.877 Meter für den Südteil, die russische Wikipedia 1.878 Meter für den Berg Markowa. Damit ragt das Massiv rund 1.400 Meter über den Seespiegel.
Was bedeutet der Name Swjatoi Nos?
Wörtlich „Heilige Nase“. „Nos“ war bei russischen Entdeckern ein Wort für Kap, der Name galt zuerst nur dem Kap Nischneje Isgolowje. Der burjatische Name Chilmen Chuschuun heißt „Schnauze des Störs“.
Wie warm ist die Tschiwyrkui-Bucht?
Weil sie kaum tiefer als zehn Meter ist, erwärmt sie sich im Sommer auf 22 bis 24 °C. Das gehört zu den höchsten Wassertemperaturen am Baikal, während das offene Wasser vor der Halbinsel deutlich kälter bleibt.
Wie weit sind die Uschkani-Inseln von Swjatoi Nos entfernt?
Die nächste der vier Inseln, Dolgi, liegt rund acht Kilometer nordwestlich der Halbinsel. Die Inseln gehören wie Swjatoi Nos zum Sabaikalski-Nationalpark.
Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Sabaikalski-Nationalpark; Sapowednoje Podlemorje: Sehenswürdigkeiten (Swjatoi Nos, Tschiwyrkui-Bucht, Smeinaja); G. L. Dmitrijew: Geschichte der Sedimentation auf der Landenge von Swjatoi Nos (Priroda Baikala); Limnologisches Institut Irkutsk: Winterexpedition im Mittelbaikal (2024); Wikipedia (russisch): Святой Нос (полуостров, Бурятия), Чивыркуйский перешеек, Чивыркуйский залив, Баргузинский залив, Курбулик, Монахово; Wikipedia (deutsch): Swjatoi Nos. Stand: Oktober 2026.
