Chuschir ist der Hauptort der Insel Olchon und liegt an ihrer Westküste am Kleinen Meer, rund einen Kilometer südlich des Schamanenfelsens. Die Siedlung entstand 1938 mit einem Fischwerk und war von 1946 bis 2014 Siedlung städtischen Typs. Bei der Volkszählung 2010 hatte sie 1.251 Einwohner, mehr als drei Viertel der Inselbevölkerung.
Wo liegt Chuschir?
Chuschir liegt an der Nordwestküste der Insel Olchon, ungefähr in ihrer Mitte, an einer Bucht des Kleinen Meeres. Nördlich des Ortes springt das Kap Burchan mit dem Schamanenfelsen ins Wasser vor, dahinter öffnet sich die Bucht Sarai mit einem rund drei Kilometer langen Sandstrand. Nach Süden und Westen geht der Ort in Steppe über, im Norden und Osten beginnen die bewaldeten Hänge, die zur Ostküste der Insel ansteigen.
Bis zur Fährstelle am Südende der Insel sind es auf der Inselstraße rund 35 Kilometer, bis zum Kreissitz Jelanzy auf dem Festland gut 85 Kilometer. Die Großstadt Irkutsk liegt rund 230 Kilometer Luftlinie südwestlich. Gegenüber, jenseits des Kleinen Meeres, erhebt sich am Festlandufer die Primorski-Kette. Wie die Insel insgesamt gebaut ist und wie sie mit dem Festland verbunden ist, beschreibt die Seite Olchon, die größte Insel im Baikalsee.
Der Name stammt aus dem Burjatischen. Chuschar bezeichnet nach russischen Angaben einen salzhaltigen Boden, einen Solontschak, wie er in den abflusslosen Senken der Inselsteppe vorkommt. In Chuschir arbeitet eine Wetterstation. Ihre Messungen machen den Ort zu einem der sonnigsten am Baikal: Forscher geben 2.277 Sonnenstunden im Jahr an. Wie Sonne, Wind und Niederschlag rund um den See verteilt sind, erklärt die Seite Klima und Jahreszeiten am Baikalsee.
Wie viele Menschen leben in Chuschir?
Bei der Volkszählung 2010 hatte Chuschir 1.251 Einwohner, nach der amtlichen Fortschreibung stieg die Zahl bis 2014 auf rund 1.350. Für das Jahr 2021 veröffentlichte die Statistikbehörde nur die Zahl für die ganze Gemeinde, die alle neun Siedlungen der Insel umfasst: 1.921 Menschen. Da die übrigen Orte zusammen nur gut 300 Einwohner hatten, dürfte Chuschir selbst inzwischen zwischen 1.400 und 1.600 Menschen zählen; eine amtliche Einzelzahl liegt nicht vor.
| Jahr | Einwohner | Art der Zahl |
|---|---|---|
| 1959 | 2.951 | Volkszählung |
| 1970 | 1.323 | Volkszählung |
| 1979 | 1.152 | Volkszählung |
| 1989 | 1.219 | Volkszählung |
| 2002 | 1.148 | Volkszählung |
| 2010 | 1.251 | Volkszählung |
| 2014 | 1.350 | Fortschreibung |
Die Reihe zeigt den Bruch nach der frühen Sowjetzeit. 1959, in der Blütezeit des Fischwerks, lebten fast 3.000 Menschen im Ort. Danach halbierte sich die Zahl binnen eines Jahrzehnts und blieb bis zur Jahrtausendwende bei gut 1.100 bis 1.200. Erst mit dem Tourismus wuchs Chuschir wieder. Die Bewohner sind Burjaten und Russen, dazu kamen seit den 1990er-Jahren Zuzügler aus anderen Teilen Russlands.
Wie ist Chuschir entstanden?
Der Ort ist als Arbeitersiedlung des Maloje-More-Fischwerks entstanden, das 1938 seinen Betrieb in Chuschir aufnahm. Der Platz selbst war schon vorher bekannt. Der Geologe Wladimir Obrutschew, der den Baikal Ende des 19. Jahrhunderts erforschte, nennt Chuschir als Station auf seinem Weg über die Insel. Damals lebten die Burjaten Olchons in kleinen Ulussen und mieden die Umgebung des Schamanenfelsens.
Das Werk sollte die verstreuten kleinen Fischereibetriebe am Kleinen Meer zusammenfassen und nutzte die Fischgründe der flachen, im Sommer gut durchwärmten Meerenge, in der vor allem der Omul gefangen wurde. Es lieferte gefrorenen und gesalzenen Fisch, später auch Konserven und Räucherfisch; die Räucherei konnte zwei Tonnen Fisch am Tag verarbeiten. Fast der ganze Ort arbeitete für das Werk. Als die Zeitschrift Ogonjok 1958 über Chuschir berichtete, zeigte sie Fischer, die beim Eisfischen die Netze mit bloßen Händen aus dem Wasser holten, und Frauen, die Netze flickten. 1946 erhielt Chuschir den Status einer Siedlung städtischen Typs.
Schon in den späten 1960er-Jahren zeigte sich, dass der Omul im Kleinen Meer überfischt war; der Fang wurde eingeschränkt und in manchen Jahren ganz untersagt. Nach der Privatisierung von 1993 arbeitete das Werk als Aktiengesellschaft weiter, betrieb aber noch immer eigene Dieselgeneratoren, deren steigende Kosten die Produktion drosselten. Wann es endgültig schloss, geben die Quellen unterschiedlich an, die Angaben reichen von den 1990er-Jahren bis 2016. Reste der Werkshallen und ein Dutzend ausgedienter Kutter lagen 2016 noch am Ufer. Im Mai 2014 stufte ein Gesetz der Oblast Irkutsk Chuschir von einer Arbeitersiedlung zu einer ländlichen Siedlung zurück. Seit dem 1. Oktober 2017 ist der kommerzielle Fang des Omul im ganzen See verboten.
Wie sieht der Ort aus, und wie wird er versorgt?
Chuschir ist ein Dorf aus überwiegend ein- und zweigeschossigen Holzhäusern hinter Bretterzäunen, die ohne strengen Plan über einen sanften Hang am Ufer verteilt sind. Die Straßen sind breit und waren bis vor kurzem durchweg Sand- und Schotterwege; eine Reportage von 2016 verglich sie mit Moskauer Prachtstraßen, durch die sich trockene Risse ziehen. 2025 wurde die Hauptstraße, die Baikalskaja, asphaltiert, ebenso die Straße nach Charanzy. Zwischen den alten Häusern stehen viele neuere Gästehäuser, die seit den 1990er-Jahren gebaut wurden. 2007 wurde die Kirche zur Ikone der Gottesmutter „Derschawnaja“ gebaut, die einzige orthodoxe Kirche der Insel.

Strom aus dem Netz gibt es erst seit Juli 2005. Bis dahin lieferten die Dieselgeneratoren des Fischwerks, zuletzt nur noch zwei Maschinen mit 400 Kilowatt Leistung, an wenigen Stunden am Tag Elektrizität. Mit dem Unterwasserkabel durch die Olchonskije Worota änderte sich der Alltag grundlegend, auch wenn bei Ausfällen weiter Generatoren und Holzöfen einspringen.
Schwieriger ist das Wasser. Obwohl der Ort am größten Süßwasserreservoir der Erde liegt, gab es nach Berichten von 2016 und 2017 weder eine zentrale Wasserleitung noch eine Kanalisation. Ein Tankwagen fuhr jeden Morgen durch die Straßen und füllte die Fässer der Haushalte, die dafür eigene Anschlüsse in ihren Zäunen hatten; nur auf einzelnen Grundstücken gab es Bohrbrunnen. Brennholz muss vom Festland gebracht werden, weil die Wälder der Insel zum Nationalpark gehören. Abfälle werden in umgekehrter Richtung aufs Festland transportiert. Kläranlagen gab es nach Angaben von 2020 auf der ganzen Insel nicht.
Was zeigt das Heimatmuseum in Chuschir?
Das Heimatmuseum geht auf den Lehrer Nikolai Rewjakin zurück, der 1944 an die Schule von Chuschir kam und Anfang der 1950er-Jahre einen heimatkundlichen Schülerkreis gründete. Mit seinen Schülern fand er mehr als zwanzig Fundplätze aus der Jungsteinzeit, entdeckte nahe dem Berg Schima einen Reliktbestand der Fichte und sammelte Gegenstände aus dem burjatischen Alltag. Er stand im Briefwechsel mit dem Geologen Wladimir Obrutschew, nach dem das Museum zunächst benannt war. Nach Rewjakins Tod 1983 erhielt es seinen Namen.
Die Sammlung umfasst mehr als 5.000 Objekte und ist im alten Schulgebäude untergebracht. Sie reicht von steinernen Pfeilspitzen der Jungsteinzeit über Brustabzeichen mongolischer Krieger bis zu Gegenständen des Schamanismus und Material über die burjatische Sitte, Verstorbene zu verbrennen. Einige Fundstücke stammen von den Brandplätzen eines heiligen Hains am Kap Burchan, in dem früher Schamanen bestattet wurden. Eigene Abteilungen behandeln die Pflanzen und Tiere Olchons sowie das Leben der Verbannten und Sondersiedler, die im 20. Jahrhundert auf die Insel deportiert wurden.
Welche Rolle spielt Chuschir heute für die Insel?
Chuschir ist Verwaltungssitz der Gemeinde, Schulort und wirtschaftlicher Mittelpunkt Olchons. Die Schule besuchten 2016 mehr als 230 Kinder. Die meisten Bewohner leben inzwischen vom Tourismus: von der Vermietung von Zimmern, der Verpflegung von Gästen, von Fahrten über die Insel und vom Verkauf von Andenken. Die Zahl der Besucher Olchons hat sich zwischen 2016 und 2018 fast verfünffacht. Die Unterkünfte liegen nach einer Untersuchung der Baikal-Universität fast alle an der Küste des Kleinen Meeres, auf der Insel vor allem im Gemeindegebiet von Chuschir.
Der Ort ist zugleich Ausgangspunkt der unbefestigten Pisten, die in den Norden der Insel führen, zum Kap Choboi rund 40 Kilometer nordöstlich und zur Ostküste. Diese Fahrspuren durch Steppe und Wald gehören zu den Ursachen der Erosion, die Behörden und Nationalpark zu begrenzen versuchen. Nordöstlich des Ortes, beim Dorf Charanzy, liegt ein kleiner Flugplatz, der in den vergangenen Jahrzehnten zeitweise im Linienverkehr bedient wurde. Nach Westen öffnet sich das Kleine Meer, über dessen Eis im Spätwinter die amtliche Eispiste zur Insel führt.
Besonders ist das Verhältnis des Ortes zum Schamanenfelsen am Kap Burchan. Nach der burjatischen Überlieferung wohnt im Felsen der Herr der Insel, und früher siedelte niemand in seiner Nähe; selbst mit Wagen fuhr man nicht an ihm vorbei. Eine sowjetische Arbeitersiedlung unmittelbar neben dem Heiligtum widersprach dieser Ordnung. Eine Reportage der Zeitschrift Ogonjok gab 2016 Stimmen wieder, nach denen die alteingesessenen Burjaten Chuschir gerade wegen dieser Lage wenig schätzen; Rückschläge des Ortes in der Sowjetzeit seien früher als Strafe des Geistes gedeutet worden. Heute grenzt der Ort direkt an das Kap, das durch eine Holzbarriere vor Fahrzeugen geschützt ist.
Häufige Fragen zu Chuschir
Ist Chuschir eine Stadt?
Nein. Chuschir war von 1946 bis 2014 eine Siedlung städtischen Typs, eine sowjetische Kategorie für Industrieorte. Seit einem Gesetz der Oblast Irkutsk vom Mai 2014 ist es eine ländliche Siedlung und Sitz der Gemeinde Chuschir.
Wie weit ist der Schamanenfelsen vom Ort entfernt?
Der Felsen am Kap Burchan liegt am Nordrand des Ortes, rund einen bis anderthalb Kilometer vom Ortskern entfernt. Östlich des Kaps schließt die Bucht Sarai an.
Wovon leben die Menschen in Chuschir?
Früher fast ausschließlich vom Fischwerk und von der Fischerei, heute überwiegend vom Tourismus. Daneben arbeiten Bewohner in Verwaltung, Schule und kleinen Geschäften.
Seit wann hat Chuschir Strom?
Ans Stromnetz angeschlossen wurde der Ort im Juli 2005 über zwei Kabel am Grund der Meerenge Olchonskije Worota. Zuvor erzeugte das Fischwerk Strom mit Dieselgeneratoren, die nur stundenweise liefen.
Warum heißt das Dorf Chuschir?
Der Name geht auf das burjatische Wort Chuschar zurück, das einen salzhaltigen Boden bezeichnet. Solche Salzböden kommen in den trockenen Senken der Inselsteppe vor.
Quellen: Suchodolow et al. 2020: Maloje-More-Fischereirevier, Iswestija der Baikal-Universität; Ogonjok, 17.10.2016: Inselwerte; Kommersant, 30.07.2005: Elektrifizierung Olchons; Irkutsk Segodnja, 09.07.2025: Straßenbau auf Olchon; Rosstat: Volkszählung 2021, Tabelle 5; Große Russische Enzyklopädie: Olchon; ergänzend Wikipedia (ru): Хужир (Иркутская область), Ревякин, Николай Михайлович. Stand: Oktober 2026.
