Das Bargusin-Reservat am Nordostufer des Baikalsees ist das älteste Naturreservat Russlands. Die Regierung bestätigte es am 29. Dezember 1916 nach julianischem Kalender, nach heutiger Zählung am 11. Januar 1917, um den fast ausgerotteten Zobel zu retten. Heute schützt es rund 366.900 Hektar vom Seeufer bis zum Kamm der Bargusin-Kette.
Warum wurde das Bargusin-Reservat gegründet?
Um den Zobel zu retten. Pelze waren im Russischen Reich um 1900 ein wichtiger Exportartikel, und der dunkle Bargusin-Zobel lieferte die wertvollsten Felle Sibiriens. Die Jagd hatte die Bestände am Nordostufer so weit ausgedünnt, dass die Art dort vor dem Verschwinden stand. Ein Schutzgebiet sollte den Rest der Population sichern und Tiere liefern, von denen aus sich der Zobel wieder ausbreiten konnte.
Der Gründung ging eine staatliche Erkundung voraus. In den Jahren 1913 bis 1915 wurden mehrere sogenannte Zobel-Expeditionen nach Sibirien und Kamtschatka organisiert. Sie sollten die Lebensräume des Zobels untersuchen, geeignete Orte für Reservate finden und deren Pläne ausarbeiten. Für das Podlemorje, die Küste zwischen der Halbinsel Swjatoi Nos und dem Frolicha-See, war die Gruppe um den Zoologen Georgi Doppelmair zuständig. Zu ihr gehörten Konstantin Sabelin, Zenon Swatosch, A. D. Baturin und D. N. Alexandrow. Fast zwei Jahre, von 1914 bis 1916, arbeiteten sie unter schwierigen Bedingungen in der unwegsamen Taiga. Ihre Schätzung von höchstens rund 30 Zobeln an diesem Küstenabschnitt und die spätere Erholung der Art beschreibt die Seite über die Säugetiere der Taiga und den Bargusin-Zobel.
Das Reservat war von Anfang an mehr als ein Jagdverbot. Nördlich davon richtete man gleichzeitig ein staatliches Nutzungsrevier ein, in dem man nach Doppelmairs Worten von 1926 die Grundlagen einer geordneten Zobelwirtschaft im Versuch erarbeiten und der örtlichen Bevölkerung eine nachhaltige Jagd beibringen wollte. Reservat und Revier umfassten zusammen anfangs rund 500.000 Hektar. Mitte der 1930er-Jahre hatte das Reservat seine ursprüngliche Aufgabe erfüllt; seitdem schützt es nicht mehr nur eine Art, sondern das gesamte Ökosystem.
Warum hat das Reservat zwei Gründungsdaten?
Weil Russland 1916 noch den julianischen Kalender verwendete. Am 17. Mai 1916 erließ der Generalgouverneur in Irkutsk die Verordnung über die Einrichtung des „Bargusinski sobolini sapowednik“, des Bargusin-Zobelreservats. Die Regierung in Petrograd bestätigte sie am 29. Dezember 1916. Nach dem gregorianischen Kalender, der im Westen längst galt, war das der 11. Januar 1917.
Im 20. Jahrhundert lag der julianische Kalender 13 Tage hinter dem gregorianischen zurück. Die Sowjetregierung stellte im Februar 1918 um: Auf den 31. Januar folgte unmittelbar der 14. Februar. Russische Quellen nennen deshalb je nach Zählweise den 29. Dezember 1916 oder den 11. Januar 1917, gemeint ist derselbe Tag. Da die Bestätigung noch in die Zarenzeit fiel, ist Bargusin das einzige staatliche Reservat des Landes, das vor der Revolution von 1917 gegründet wurde. Seit 1997 begeht Russland jedes Jahr am 11. Januar den Tag der Reservate und Nationalparks, in Erinnerung an diese Gründung.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1914–1916 | Zobel-Expedition unter Georgi Doppelmair zwischen Swjatoi Nos und Frolicha-See |
| 17. Mai 1916 | Verordnung des Generalgouverneurs in Irkutsk |
| 29. Dezember 1916 / 11. Januar 1917 | Bestätigung durch die Regierung (julianisch / gregorianisch) |
| 4. Januar 1926 | Neugründung in den alten Grenzen als staatliches Jagdreservat nach Revolution und Bürgerkrieg |
| Mitte der 1930er-Jahre | Zobel hat alle geeigneten Lebensräume im Reservat wiederbesiedelt; Übergang zum Schutz des ganzen Ökosystems |
| 1946 | Zentrale Station zieht von der Sosnowka-Bucht nach Dawscha |
| 1958 | Ein drei Kilometer breiter Streifen des Sees kommt zum Reservat |
| 1986 | Anerkennung als Biosphärenreservat im UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ |
| 1996 | Reservat wird vollständig Teil des Welterbes „Lake Baikal“ |
| 2012 | Gemeinsame Direktion Sapowednoje Podlemorje mit dem Sabaikalski-Nationalpark, Sitz Ust-Bargusin |
Die ersten Jahre waren die schwersten. Nach dem Ende der Expedition leitete Konstantin Sabelin das Reservat bis 1924, Zenon Swatosch, der schon 1915 die Geschäfte geführt hatte, folgte ihm bis 1932. Durch Revolution und Bürgerkrieg hielten beide das Gebiet nach Angaben der heutigen Verwaltung oft ohne Lohn, Waffen und Ausrüstung gegen Plünderung. Sabelin starb 1934 und ist nahe der Mündung des Flusses Bolschaja am Seeufer begraben; das Reservat trägt heute seinen Namen.

Wo liegt das Reservat und wie groß ist es?
Das Reservat erstreckt sich am Nordostufer des Baikalsees über den Westhang des mittleren Teils der Bargusin-Kette, vom Seeufer auf 456 Metern bis zum Hauptkamm, der hier 2.652 Meter erreicht. Von seiner Nordgrenze bis Nischneangarsk sind es rund 100 Kilometer, von der Südgrenze bis Ust-Bargusin ebenfalls etwa 100. Südlich schließt der Sabaikalski-Nationalpark mit der Halbinsel Swjatoi Nos an.
Die Verwaltung gibt die Fläche mit 366.868 Hektar an. Darin enthalten sind ein Biosphärenpolygon von 111.146 Hektar und ein drei Kilometer breiter Wasserstreifen vor der Küste von 15.053 Hektar, der 1958 hinzukam. Der See ist in diesem Streifen im Mittel rund 30 Meter tief, an keiner Stelle tiefer als 200 Meter. Ältere Angaben, etwa in der russischen Wikipedia, nennen 374.322 Hektar; die Grenzen im Norden und Süden wurden im Lauf des Jahrhunderts mehrfach verschoben, der Kern blieb aber immer geschützt.
Das Gebiet ist in Zonen gegliedert. Im Kern ist jede Wirtschaftstätigkeit verboten, ausgenommen Bildungstourismus und eine begrenzte Nutzung für den Eigenbedarf der wenigen ständigen Bewohner auf eigens ausgewiesenen Flächen. Im Biosphärenpolygon sind Tourismus und eine eingeschränkte traditionelle Nutzung erlaubt. Wie sich Sapowedniki, Nationalparks und Sakasniki rechtlich unterscheiden, erklärt die Übersicht der Schutzgebiete am Baikalsee.
Welche Landschaften und Höhenstufen prägen das Reservat?
Ein Hochgebirge, das fast unvermittelt aus dem See aufsteigt. Die Bargusin-Kette ist im Reservat eine alpine Kette mit spitzen Gipfeln, gezackten Graten, Hängetälern und Firnfeldern. Typisch sind Trogtäler, die von weiten Karen abgeschlossen werden. Flächen über 1.250 Meter machen den größten Teil des Gebiets aus, rund 60 Prozent gehören zum waldfreien Hochgebirgsgürtel, den die russische Geografie Golzy nennt.
Die Vegetation folgt den Höhenstufen. Am Ufer zieht sich ein schmaler Gürtel von Seeterrassen zwischen 460 und 600 Metern hin, auf dem Lärchenwälder vorherrschen, unterbrochen von Zirbel-, Kiefern- und Birkenbeständen, Moosmooren und Wiesen. Die unteren und mittleren Hänge zwischen 600 und 1.250 Metern trägt Bergtaiga. Die Waldgrenze bilden Birken, Tannen und Fichten, darüber folgen Zwergkiefern, Bergwiesen und Bergtundra. Häufigste Baumart ist die Sibirische Zirbelkiefer, an zweiter Stelle steht die Zwergkiefer; Kiefernwälder bedecken rund 29.900 Hektar.
Das Klima ist streng kontinental, wird vom See aber gemildert. Der kälteste Monat ist der Januar mit einem Mittel von minus 23 °C, der wärmste der August mit plus 13 °C. Der Winter dauert im Mittel 161 Tage, der Sommer 81. Am Ufer liegen 60 bis 90 Zentimeter Schnee, im Hochgebirge 180 bis 250. Windstille herrscht nur an rund 19 Prozent der Tage; vorherrschend sind Winde aus Nordost und Südwest.
Zahlreiche Bäche und Flüsse stürzen in steilen Schluchten zum See, die größten sind Urbikan, Kabanja, Jesowka, Bolschaja, Dawscha, Tarkulik, Sosnowka und Kudaldy. Das Reservat zählt 523 Seen mit zusammen 2.004 Hektar. In den Tälern von Jesowka, Bolschaja, Talamusch und Dawscha treten an tektonischen Bruchlinien Thermalquellen aus, in einigen von ihnen ist das Wasser wärmer als 70 °C. In der Bucht von Dawscha nutzt die Station seit langem eine solche Quelle für ein Badehaus.
Welche Tiere und Pflanzen leben im Bargusin-Reservat?
Eine typische Taigafauna mit 41 Säugetierarten, 281 Vogelarten, 6 Reptilien, 3 Amphibien, 46 Fischarten und mehr als 800 Insektenarten. Über vier Fünftel der Säugetiere sind Waldbewohner, darunter Zobel, Moschustier, Feuerwiesel, Streifenhörnchen, Isubra-Hirsch, Elch, Wolf, Luchs und Vielfraß. Aus dem Hochgebirge kommen Alpenpfeifhase, Rentier und das Schwarzkäppchen-Murmeltier hinzu. Die Küste gilt als ausgesprochenes Bärenland; wann die Tiere ans Ufer kommen, beschreibt die Seite über die Braunbären am Baikalsee.
Der Zobel, für den das Reservat gegründet wurde, hatte bis 1934 alle geeigneten Lebensräume im Gebiet wiederbesiedelt und ein Vierteljahrhundert später die Wälder der ganzen Bargusin-Kette. Die Winterzählungen der Verwaltung ergeben heute im gesamten Gebiet von Sapowednoje Podlemorje Jahr für Jahr über 2.000 Tiere. Im Wasserstreifen leben Baikalrobben, im Uferwasser Äschen, Omul, Lenok, Taimen und Renken, daneben Quappe und Hecht, seltener Barsch und Plötze. Unter den Brutvögeln überwiegen Arten des sibirischen Typs wie Steinauerhuhn, Haselhuhn, Habichtskauz, Bartkauz, Unglückshäher und Tannenhäher.
Die Flora umfasst nach Angaben der Verwaltung 878 Arten von Gefäßpflanzen, 242 Moose, 212 Flechten, 173 Pilze und 1.241 Algenarten. 31 Gefäßpflanzen und 9 Flechten stehen in Roten Büchern, international, in Russland oder in Burjatien. Die geobotanische Karte des Reservats unterscheidet sechs große Vegetationskomplexe mit 86 Pflanzengesellschaften.

Wie wird im Reservat geforscht?
Seit seiner Gründung ist das Reservat auch eine Forschungseinrichtung, nach eigener Darstellung die erste am Baikal. Weil die Natur hier seit 1916 kaum verändert wurde, dient es als Vergleichsfläche: Was sich im Bargusin-Reservat wandelt, geht weitgehend auf natürliche Prozesse und auf das Klima zurück, nicht auf Holzeinschlag oder Jagd. Die Verwaltung beschreibt es deshalb als Musterreservat, als Etalon der unberührten Natur.
Das wichtigste Instrument ist die „Letopis prirody“, die Chronik der Natur. Jedes russische Reservat führt sie jährlich nach einem festen Schema: Witterung, Eis und Schnee, Blühtermine, Bestände wichtiger Arten, Brände und Störungen. Die Bände ab 2009 stellt die Direktion als Dokumente zur Verfügung. Aus solchen Reihen lassen sich lange Trends ablesen, etwa dass Bären ihre Winterhöhlen heute im Mittel früher verlassen als im 20. Jahrhundert. Hinzu kommen die jährliche Winterzählung der Säugetiere entlang fester Routen, die Beringung von Zobeln und die Beobachtung der Murmeltierkolonien im Hochgebirge.
Der historische Mittelpunkt der Forschung ist Dawscha an der gleichnamigen Bucht, ein früherer Lagerplatz der Ewenken. 1946 zog die zentrale Station aus der Sosnowka-Bucht dorthin. 1999 wurde die Leitung nach Nischneangarsk verlegt, seit 2012 sitzt die gemeinsame Direktion in Ust-Bargusin. In Dawscha blieben die wissenschaftliche Abteilung, eine Wetterstation und ein Naturmuseum; als Siedlung wurde der Ort 2023 aufgelöst.
Darf man das Bargusin-Reservat betreten?
Nur mit schriftlicher Genehmigung. Das gilt nach Angaben der Verwaltung für den Kern wie für das Biosphärenpolygon, gleich zu welchem Zweck. Die Genehmigung erteilt die Direktion Sapowednoje Podlemorje oder das russische Umweltministerium, und sie berechtigt nur zum Aufenthalt in den darin genannten Abschnitten.
Für den Bildungstourismus hat die Verwaltung einige Wege angelegt. Bei Dawscha führt ein Lehrpfad zunächst rund 500 Meter am Ufer entlang und steigt dann in Serpentinen über 1,2 Kilometer zu einem Aussichtspunkt auf rund 580 Metern; ein zweiter Teil folgt der Küste zum Tal des Juschny Birakan. Ein Weg durch das Tal der Schumilicha bis an die Quellen, der alle Höhenstufen vom Uferwald bis zu den Firnfeldern quert, ist nach Angaben der Verwaltung derzeit gesperrt. Der übrige Teil des Reservats bleibt Besuchern verschlossen.
Häufige Fragen zum Bargusin-Reservat
Wie heißt das Reservat auf Russisch?
Der volle Name lautet Bargusinski gossudarstwenny prirodny biosferny sapowednik imeni K. A. Sabelina, das Bargusin-Biosphärenreservat, benannt nach seinem ersten Leiter Konstantin Sabelin. Kurz heißt es Bargusinski sapowednik. Den Namen gab der historische Kreis Bargusin, zu dem das Gebiet bei der Gründung gehörte.
Wie viele Zobel leben heute im Reservat?
Eine Zahl nur für das Reservat veröffentlicht die Verwaltung nicht. Die Winterzählung für ihr gesamtes Gebiet, also Reservat, Sabaikalski-Nationalpark und Sakasnik Frolicha, ergab 2025 rund 2.800 Zobel. Bei der Gründung waren es am Nordostufer nach den Schätzungen der Expedition höchstens rund 30.
Gehört das Bargusin-Reservat zum UNESCO-Welterbe?
Ja, seit 1996 liegt es vollständig innerhalb der Welterbestätte „Lake Baikal“. Unabhängig davon ist es seit 1986 ein Biosphärenreservat im UNESCO-Programm „Der Mensch und die Biosphäre“. Beide Auszeichnungen ändern nichts an den russischen Schutzregeln, sie kommen nur hinzu.
Warum ist der 11. Januar in Russland ein Naturschutztag?
Am 11. Januar 1917 nach heutigem Kalender wurde das Bargusin-Reservat als erstes Reservat Russlands bestätigt. Seit 1997 wird an diesem Tag landesweit der Tag der Reservate und Nationalparks begangen.
Gibt es im Reservat heiße Quellen?
Ja. In den Tälern von Jesowka, Bolschaja, Talamusch und Dawscha tritt an Bruchlinien warmes Wasser aus, in einigen Quellen mit mehr als 70 °C. Sie liegen im geschützten Gebiet und sind nur mit Genehmigung zugänglich.
Quellen: Sapowednoje Podlemorje: Bargusin-Biosphärenreservat (Geschichte, Fläche, Natur); Sapowednoje Podlemorje: Regeln für Besucher; Sapowednoje Podlemorje: Lehrpfade; Sapowednoje Podlemorje: Chronik der Natur; IUCN World Heritage Outlook: Lake Baikal (2025); ergänzend Wikipedia (russisch): Баргузинский заповедник, Давша. Stand: Oktober 2026.
