Im Baikalsee leben je nach Zählweise 52 bis 61 Fischarten und Unterarten, darunter einige vom Menschen eingeführte. Gut die Hälfte kommt nur hier vor. Den Kern bilden rund 30 fast durchweg endemische Groppenarten, die vom Ufer bis in 1.600 Meter Tiefe leben. Dazu kommen Lachsfische wie Omul und Äsche, der Baikal-Stör und in den Buchten Hecht, Barsch und Plötze.
Wie viele Fischarten leben im Baikalsee?
Je nach Quelle 52 bis 61 Arten und Unterarten. Die Spanne ergibt sich aus der Zählweise: Manche Listen erfassen nur den See, andere auch Flussmündungen und Zuflüsse; manche zählen Unterarten und eingeführte Arten mit, andere nicht. Bei Äschen, Renken und Groppen ist zudem umstritten, was eine eigene Art ist. Die Ichthyologin Valentina Sideleva kam 2003 auf 61 Arten und Unterarten aus 32 Gattungen und 15 Familien, davon 55 heimisch und sechs eingeführt. Der Ökologische Atlas des Baikalbeckens nennt 57 Arten und Unterarten im See, das Forschungs- und Bildungszentrum Baikal 52 Arten, von denen 27 endemisch sind. Mit Unterarten gerechnet, sind nach einer älteren Faunenliste 36 von 61 Formen endemisch, knapp 60 Prozent.
Gemessen an der gesamten Tierwelt ist das eine kleine Gruppe: Fische stellen nach Sideleva nur rund 2,2 Prozent der Tierarten des Sees. Bei Flohkrebsen, Schnecken oder Strudelwürmern ist die Zahl der Arten um ein Vielfaches höher, wie die Seite über die Endemiten des Baikalsees zeigt.
Biologen ordnen die Fische drei Gruppen zu, die zu unterschiedlichen Zeiten in den See gelangten oder sich hier entwickelten. Der sibirische Komplex umfasst weit verbreitete Arten wie Hecht, Flussbarsch und Plötze, die in flachen Ufern, Buchten und Sors leben. Zum sibirisch-baikalischen Komplex gehören Äschen, Renken und der Stör, die die Uferzone bis rund 300 Meter Tiefe nutzen und im Sommer und Herbst ins Freiwasser ziehen. Der baikalische Komplex schließlich besteht aus den Groppenartigen; er stellt 56 Prozent der Arten und rund 80 Prozent der Fischbiomasse. Insgesamt wird die Fischmasse des Sees auf rund 230.000 Tonnen geschätzt, davon rund 60.000 Tonnen genutzte Arten.
| Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Lebensraum | Endemisch |
|---|---|---|---|
| Omul | Coregonus migratorius | Freiwasser bis rund 380 m, laicht in Zuflüssen | ja |
| Baikal-Renke | Coregonus baicalensis | Bodennähe, laicht im See | ja |
| Weiße Baikal-Äsche | Thymallus brevipinnis | Uferzone bis rund 50 m, große Zuflüsse | ja |
| Schwarze Baikal-Äsche | Thymallus baicalensis | kleine Zuflüsse, Flussmündungen | nein |
| Taimen | Hucho taimen | große Zuflüsse, Uferflachwasser | nein |
| Baikal-Stör | Acipenser baerii baicalensis | Flussmündungen in 20–50 m | Baikal-Form einer sibirischen Art |
| Große und Kleine Golomjanka | Comephorus baicalensis, C. dybowskii | gesamte Wassersäule bis rund 1.600 m | ja |
| Gelbflossen-Groppe | Cottocomephorus grewingkii | Ufer bis rund 300 m | ja |
| Rote Baikalgroppe | Procottus jeittelesii | unter Steinen, 0–800 m | ja |
| Tiefwassergroppen | Abyssocottus, Cottinella, Neocottus | 400–1.600 m | ja |
| Hecht | Esox lucius | Buchten und Sors | nein |
| Sibirische Plötze | Rutilus rutilus lacustris | Buchten und Sors | nein |
| Quappe | Lota lota | Buchten, Flussmündungen | nein |
Welche Groppen leben im Baikalsee?
Die Groppen sind die eigentliche Besonderheit des Sees: je nach Zählung 29 bis 34 Arten, nahezu alle endemisch. Genetische Studien deuten sie als Artenschwarm, der im See aus Vorfahren der weit verbreiteten Gattung Cottus hervorging. Früher verteilte man die Baikalgroppen auf eigene Familien, die Baikalgroppen im engeren Sinn (Cottocomephoridae), die Tiefwassergroppen (Abyssocottidae) und die Golomjankas (Comephoridae). Neuere Systematiken stellen sie zu den Groppen (Cottidae), weil die alten Familien keine natürlichen Abstammungsgruppen bilden. Die meisten Arten werden kaum länger als 20 Zentimeter.
Ungewöhnlich ist, wie tief sie leben. Nach der Tiefenverbreitung lassen sich drei Gruppen unterscheiden: Bewohner des Flachwassers bis etwa 150 Meter aus den Gattungen Paracottus, Leocottus, Batrachocottus und Procottus; Arten mit großem Tiefenbereich zwischen etwa 100 und 1.000 Metern wie Asprocottus, Cyphocottus und Limnocottus; und Tiefseebewohner zwischen 400 und 1.600 Metern aus den Gattungen Abyssocottus, Cottinella und Neocottus. 22 Arten leben ständig oder in einzelnen Lebensabschnitten unterhalb von 300 Metern. Anders als in fast allen Seen liegt der Höhepunkt der Artenvielfalt damit in der Tiefe. Möglich macht das der Sauerstoff, den das Wasser bis zum Grund enthält; die Gliederung der Becken beschreibt die Seite über die Tiefe des Baikalsees. Alle übrigen Fische des Sees bleiben oberhalb von etwa 350 Metern.

Einige Arten sind gut untersucht. Die Gelbflossen-Groppe (Cottocomephorus grewingkii), meist 10 bis 14 Zentimeter lang, lebt vom Ufer bis 300 Meter Tiefe und hat drei getrennte Laichzeiten im März, Mai und August. Das Weibchen heftet die Eier an die Unterseite eines Steins, das Männchen bewacht sie; verschwindet es, gehen sie meist zugrunde. Ihre Jungfische sammeln sich in Ufernähe und sind Futter für Omul und andere Fische, erwachsene Tiere eine wichtige Winterbeute der Baikalrobbe. Die Steingroppe (Paracottus knerii) bewohnt Steingrund vor allem im Süden bis in 50, selten 100 Meter Tiefe, die Großkopfgroppe (Batrachocottus baicalensis) Felsböden mit Schwämmen in 5 bis 70 Metern. Die Rote Baikalgroppe (Procottus jeittelesii) kommt vom Ufer bis in 800 Meter Tiefe vor und wird trotz ihrer geringen Größe von Anwohnern gegessen.
Ein Sonderfall sind die beiden Golomjanka-Arten (Comephorus): durchscheinende, schuppenlose Freiwasserfische ohne Schwimmblase, die lebende Junge zur Welt bringen und die Hauptnahrung der Baikalrobbe stellen. Allein die Biomasse der Kleinen Golomjanka wird auf rund 100.000 Tonnen geschätzt. Ihre Biologie und die täglichen Wanderungen durch die Wassersäule beschreibt die Seite über die Golomjanka. Zusammen mit einigen Tiefwassergroppen gelten sie als die am tiefsten lebenden Süßwasserfische der Erde.
Einige Tiefseearten sind nur von einem Ort bekannt. Neocottus thermalis, 2002 beschrieben, wurde nur in 430 bis 480 Metern Tiefe in der Frolicha-Bucht im Norden des Sees gefunden und wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht geführt. Die Elochin-Tiefwassergroppe (Abyssocottus elochini) und die Zwerggroppe (Procottus gurwici) stehen in der Roten Liste der Oblast Irkutsk.
Welche Lachsfische leben im See und in den Zuflüssen?
Lachsartige Fische sind nach Bedeutung für den Menschen die zweite große Gruppe. Für das Baikalgebiet einschließlich benachbarter Flusssysteme zählt eine Revision von 2022 insgesamt 20 Arten aus drei Familien; im See selbst sind es deutlich weniger. Der bekannteste ist der Omul, eine endemische Renke des Freiwassers, die zum Laichen in die Zuflüsse zieht und seit 2017 nicht mehr kommerziell gefangen werden darf. Seine Biologie, den Einbruch der Bestände und den Stand der Erholung beschreibt die Seite über den Omul und das Fangverbot.
Die zweite endemische Renke, die Baikal-Renke (Coregonus baicalensis), russisch Sig, lebt in Bodennähe und wird größer als der Omul: bis 80 Zentimeter Gabellänge und 8 Kilogramm, meist deutlich weniger. Sie bildet drei Bestände, die im Kleinen Meer, in der Tschiwyrkui-Bucht und auf dem Flachwasser vor dem Selenga-Delta laichen, anders als der Omul also im See selbst.
Bei den Äschen unterscheidet man am Baikal zwei Formen, deren Rang umstritten ist; manche Systematiker betrachten sie als Formen derselben Art. Die Schwarze Baikal-Äsche (Thymallus baicalensis) wird 40 bis 45 Zentimeter lang, lebt vor allem in kleinen Zuflüssen und Bergseen und im See meist nur vor deren Mündungen; verbreitet ist sie im ganzen Baikal-Jenissei-Gebiet. Die hellere und größere Weiße Baikal-Äsche (Thymallus brevipinnis) erreicht bis 60 Zentimeter und 2 Kilogramm, lebt in der Uferzone bis rund 50 Meter Tiefe und in den großen Zuflüssen Selenga, Bargusin und Obere Angara und kommt nur hier vor. Äschen ziehen im Frühjahr bei 1 bis 3 °C kaltem Wasser in die Laichbäche; sie fressen Köcherfliegen- und Steinfliegenlarven, Flohkrebse und den Laich der Groppen.

In Berg- und Vorgebirgsflüssen, aber auch im Uferflachwasser des Sees leben der Lenok (Brachymystax lenok), bis 60 bis 70 Zentimeter lang, und der Taimen (Hucho taimen), der bis 1,5 Meter und 30 Kilogramm erreicht. Beide sind nicht endemisch und stehen in den Roten Büchern Burjatiens und der Oblast Irkutsk. Ein Saibling, der Dawatschan (Salvelinus alpinus erythrinus), lebt heute nur noch in Bergseen des Einzugsgebiets wie dem Frolicha-See; aus dem Nordbaikal selbst gilt er als verschwunden.
Wie steht es um den Baikal-Stör?
Schlecht. Der Baikal-Stör, die Baikal-Form des Sibirischen Störs (Acipenser baerii baicalensis), steht in der Roten Liste Russlands und Burjatiens, und sein Bestand erholt sich trotz eines Fangverbots seit 1945 kaum. Den Sibirischen Stör insgesamt führt die IUCN seit ihrer Bewertung von 2022 als vom Aussterben bedroht.
Der Stör ist der größte und stammesgeschichtlich älteste Fisch des Sees. Er lebt meist in 20 bis 50 Metern Tiefe vor dem Selenga-Delta, in Flussmündungen und Buchten, geht bei Herbststürmen bis 150 Meter tief und überwintert in Gruben vor den Mündungen großer Flüsse. Er wächst langsam, um 5 bis 7 Zentimeter im Jahr. Männchen werden mit 15 bis 16 Jahren geschlechtsreif, Weibchen erst mit 18 bis 20 Jahren bei 1 bis 1,2 Metern Länge; die Tiere können 50 bis 60 Jahre alt werden. Zum Laichen ziehen sie ab April in Selenga, Obere Angara und Bargusin, wo sich die Eier auf Kies und Geröll in 7 bis 15 Tagen entwickeln. Der Stör frisst Flohkrebse, Insektenlarven und junge Fische, im Winter vor allem Groppen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden jährlich 250 bis 300 Tonnen Stör gefangen, einzelne Tiere wogen 150 bis 200 Kilogramm. Weil auch Laichfische und Jungtiere in großer Zahl gefangen wurden, brachen die Bestände ein. Fischzuchten, vor allem der Selenga-Betrieb für Omul und Stör, setzen seit Jahren Jungstöre aus, 2007 rund eine Million. Nach dem staatlichen Baikal-Bericht dieses Jahres verenden viele davon schon im Alter von ein bis drei Jahren in den Stellnetzen von Wilderern; die Wilderei auf Laichfische und Jungtiere gilt als Hauptgrund dafür, dass der Bestand nicht wächst.
Welche Fische leben in den flachen Buchten und Sors?
In den warmen, flachen Buchten, die am Baikal Sor heißen, und vor den Flussmündungen lebt eine Fischgemeinschaft, wie man sie aus sibirischen Flüssen und Seen kennt. Dazu gehören Hecht, Flussbarsch, Sibirische Plötze, Sibirischer Hasel, Aland, Karausche und Quappe. Diese Sor-Fische sind nicht endemisch, für die Fischerei aber wichtig: Nach dem Omul war die Plötze lange der meistgefangene Fisch des Sees. Bekannte Sors liegen am Ostufer, etwa der Possolski Sor und der Sor Tscherkalowo am Selenga-Delta.
Sechs Fischarten hat der Mensch nach Sideleva in den See gebracht: den Amurkarpfen, den Brachsen und den Amurwels, der als erster Wels in den Baikal kam, außerdem die Peledmaräne und die Kleine Maräne, die aus Anlagen zur Omulzucht entwichen. Mit dem Besatz von Karpfen wurde zudem versehentlich die Amurgrundel (Perccottus glenii) eingeschleppt, ein räuberischer Kleinfisch, der sich im Selenga-Delta ausbreitete. Sideleva bezeichnet die Neulinge als biologische Verschmutzung des Sees.
Bemerkenswert ist, wie wenig sich der Baikal auf die fremden Arten eingelassen hat. Nach dem Ökologischen Atlas des Baikalbeckens wurden im 20. Jahrhundert 33 Arten und Formen zur Einbürgerung erprobt. Gehalten haben sich nur Amurkarpfen, Amurwels, Amurgrundel und Brachsen, und das vor allem an den flachen Rändern des Sees und in Zuflüssen; die Peledmaräne lebt in Seen des Einzugsgebiets. Das offene Wasser und die Tiefe bleiben den heimischen Arten vorbehalten.
Wie wird im Baikalsee heute gefischt?
Deutlich weniger als früher, und seit 2017 ohne den Omul als Hauptfang. Schon vor dem Verbot war der Fang stark zurückgegangen. Die amtliche Statistik für den See, die Industrie- und lizenzierte Freizeitfischerei umfasste, zeigt das am Beispiel der Jahre 1995 und 2007:
| Art | Fang 1995 (t) | Fang 2007 (t) |
|---|---|---|
| Omul | 2.521 | 900 |
| Sibirische Plötze | 789 | 660 |
| Sibirischer Hasel | 2 | 108 |
| Flussbarsch | 35 | 93 |
| Quappe | 13 | 8 |
| Hecht | 35 | 6 |
| Äsche | 14 | 6 |
| Alle Arten | 3.433 | 1.808 |
Die Statistik erfasst nur den gemeldeten Fang. Beim Omul schätzte der staatliche Baikal-Bericht den illegalen Anteil 2007 auf fast die Hälfte; bei der Weißen Äsche, die vor allem als Beifang und von Anglern gefangen wird, lag der tatsächliche Fang nach derselben Quelle mindestens doppelt so hoch wie gemeldet, und jeder Störfang ist ohnehin illegal. Das Verbot von 2017 betrifft den Omul; die übrigen Arten werden nach den Fischereiregeln des Baikalbeckens weiter befischt, vor allem von Freizeitanglern. Besonders beliebt ist das Eisangeln: An Wochenenden zählten Fischereiforscher im Winter 2025 mindestens 2.000 Angler täglich auf dem Eis.
Häufige Fragen zu den Fischen im Baikalsee
Welcher ist der größte Fisch im Baikalsee?
Der Baikal-Stör. Im 19. Jahrhundert wurden noch Tiere von 150 bis 200 Kilogramm gefangen, heute ist die Art selten. Unter den Lachsfischen wird der Taimen mit bis zu 1,5 Metern und 30 Kilogramm am größten, er lebt aber vor allem in den Zuflüssen.
Gibt es Fische in der größten Tiefe des Sees?
Ja. Tiefwassergroppen und Golomjankas kommen bis in rund 1.600 Meter Tiefe vor und gelten als die am tiefsten lebenden Süßwasserfische der Erde. Das ist nur möglich, weil das Wasser des Baikal bis zum Grund Sauerstoff enthält.
Gibt es im Baikalsee Karpfen und Welse?
Ja, aber nur als eingeführte Arten. Amurkarpfen und Amurwels wurden im 20. Jahrhundert ausgesetzt und leben in flachen Buchten und Zuflüssen. Ihre Fänge sind klein, 2007 waren es beim Amurkarpfen gut fünf Tonnen.
Warum stammen die meisten endemischen Fische von Groppen ab?
Die Groppen leben offenbar schon sehr lange im See und haben sich hier in viele Arten für Ufer, Freiwasser und Tiefe aufgespalten. Lachsfische wie Omul und Äschen kamen nach heutiger Kenntnis erst viel später, ihre Baikal-Formen gelten als junge Endemiten aus der Nacheiszeit.
Kann man Baikalgroppen essen?
Ja, einige Arten wurden genutzt. In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es einen kommerziellen Fang von Groppen, und die Rote Baikalgroppe wird von Anwohnern bis heute gegessen. Die meisten Arten sind aber klein und leben zu tief für eine Fischerei.
Quellen: Sideleva, V. G. (2003): The Endemic Fishes of Lake Baikal, Backhuys Publishers; Freshwater Ecoregions of the World: Lake Baikal (Bogutskaya, Hales); Staatlicher Bericht über den Baikalsee 2007: Fischfauna; Bogdanow und Knischin (2022): The Salmonid fishes of Lake Baikal, Limnology and Freshwater Biology; Ökologischer Atlas des Baikalbeckens (UNDP-GEF): Fischfauna; Universität Irkutsk: Fish of Lake Baikal; Forschungs- und Bildungszentrum Baikal: Animals and plants. Weitere: Kontula et al. (2003), IUCN Red List (Acipenser baerii, 2022), Wikipedia. Stand: Oktober 2026.
