Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Atlas des Baikalsees

Baikal-Glossar: Begriffe von Angara bis Torossy

Von Akademikerrücken bis Zobel: 80 Begriffe kurz erklärt und verlinkt

Stand
· 19 Min. Lesezeit
Kurz gesagt

Das Baikal-Glossar erklärt 80 Begriffe, die auf Baikalsee.info immer wieder vorkommen: Namen von Winden und Eisformen, endemische Tiere und Pflanzen, burjatische und russische Wörter aus Glauben, Küche und Alltag sowie Fachbegriffe aus Geologie, Forschung, Naturschutz und Reiseplanung. Jeder Eintrag fasst die zugehörige Fachseite in wenigen Sätzen zusammen.

Viele Wörter rund um den Baikal stammen aus dem Russischen, dem Burjatischen oder dem Ewenkischen und haben keine gängige deutsche Entsprechung. Das Glossar nennt sie in der deutschen Umschrift, die das ganze Portal verwendet, und gibt die russische Form in Klammern an, wo sie in Quellen und vor Ort häufig begegnet. Zahlen folgen den geprüften Werten der Fachseiten; die wichtigsten Kennzahlen des Sees stehen gesammelt unter Baikalsee in Zahlen und Fakten, kurze Antworten auf Alltagsfragen unter häufige Fragen zum Baikalsee.

A bis B

Akademikerrücken (Akademitscheski chrebet): Rund 100 Kilometer lange unterseeische Schwelle zwischen Olchon und den Uschkani-Inseln, die das Mittel- vom Nordbecken trennt. Sie besteht aus gekippten Krustenblöcken; ihre höchsten Gipfel ragen als Uschkani-Inseln aus dem Wasser. Zur Gliederung des Sees siehe Becken und Buchten des Baikalsees.

Angara: Einziger Abfluss des Baikalsees. Sie verlässt ihn am Südwestende zwischen Listwjanka und Port Baikal als gut einen Kilometer breiter Strom, führt dort im Mittel knapp 2.000 Kubikmeter pro Sekunde ab und mündet nach rund 1.780 Kilometern in den Jenissei. Nicht zu verwechseln ist sie mit der Oberen Angara, die im Norden in den See mündet (Angara, Abfluss des Baikalsees).

Aulacoseira baicalensis: Endemische Kieselalge, deren Zellen zu langen Fäden verbunden sind. Sie ist die wichtigste Alge unter dem Eis; im Südbecken beginnt ihre Blüte ab Ende März und setzt im Spätwinter das Nahrungsnetz des Sees in Gang (Leben unter dem Eis).

Baikal-Amur-Magistrale (BAM): Rund 4.300 Kilometer lange Bahnstrecke, die in Taischet von der Transsib abzweigt, das Nordende des Sees bei Sewerobaikalsk berührt und in Sowjetskaja Gawan am Pazifik endet. Die Hauptstrecke entstand 1974 bis 1984, durchgehend befahren wird sie seit 1989 (Baikal-Amur-Magistrale).

Baikal Drilling Project (BDP): Internationales Bohrprogramm, in dem russische, amerikanische und japanische Forscher von 1993 bis 1999 im Winter vom Eis aus Kerne aus dem Seeboden zogen. Der längste Kern, BDP-98 vom Akademikerrücken, ist 600 Meter lang und reicht rund 10 Millionen Jahre zurück, nicht bis zur Entstehung des Sees; er dient als Klimaarchiv Zentralasiens (Sedimentkerne als Klimaarchiv).

Baikal-Gesetz: Das Bundesgesetz Nr. 94-FZ „Über den Schutz des Baikalsees“ vom 1. Mai 1999. Es gliedert das Gebiet in drei ökologische Zonen; die zentrale Zone mit dem See, seinen Inseln und einem breiten Uferstreifen folgt der Grenze des Welterbes (Baikalsee und Russland). Inhalt und spätere Lockerungen behandelt das Baikal-Schutzgesetz.

Baikal-GVD (Gigaton Volume Detector): Neutrinoteleskop im Südbecken, rund 3,6 Kilometer vor dem Ufer bei Kilometer 106 der Circum-Baikal-Bahn. Seit dem Frühjahr 2026 hängen dort 16 Cluster mit knapp 4.900 Lichtsensoren in rund 700 bis 1.240 Metern Tiefe; montiert wird jedes Jahr im Spätwinter von der Eisdecke aus (Neutrinoteleskop Baikal-GVD).

Baikal-Lena-Reservat: Streng geschütztes Naturreservat von 1986 am nördlichen Westufer, rund 659.900 Hektar groß, mit rund 100 Kilometern Uferlinie und den Quellen der Lena, die nahe dem See entspringt, aber zum Nordpolarmeer fließt. Seit 2014 verwaltet es eine gemeinsame Direktion mit dem Pribaikalski-Nationalpark (Baikal-Lena-Reservat).

Baikal-Museum: Wissenschaftliche Einrichtung der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften in Listwjanka, hervorgegangen aus der Ausstellung des Limnologischen Instituts und seit 1993 selbstständig. Bekannt ist es für Aquarien mit Seewasser, in denen auch Baikalrobben leben, und für eigene Forschung, mit einem Schwerpunkt auf der Robbe (Baikal-Museum in Listwjanka).

Baikalstör (Baikalski osjotr): Population des Sibirischen Störs (Acipenser baerii) und größter Fisch des Sees. Er lebt vor allem vor dem Selenga-Delta und laicht in der Selenga; wegen Überfischung und Wilderei ist sein Fang seit 1945 verboten, und die Weltnaturschutzunion führt die Art als vom Aussterben bedroht (Baikalstör).

Bargusin (Wind): Talwind, der aus dem Tal des gleichnamigen Flusses am Ostufer über den See weht. Der Fluss Bargusin gehört nach der Selenga und der Oberen Angara zu den größten Zuflüssen und mündet in die Bargusin-Bucht, die größte Bucht des Sees (Winde des Baikalsees).

Bargusin-Reservat (Bargusinski sapowednik): Ältestes Naturreservat Russlands am Nordostufer, bestätigt am 29. Dezember 1916 nach julianischem Kalender, nach heutiger Zählung am 11. Januar 1917, um den fast ausgerotteten Zobel zu retten. Es reicht vom Seeufer bis zum Kamm der Bargusin-Kette und umfasst rund 366.900 Hektar (Bargusin-Reservat).

Böö mürgel: Eigenbezeichnung des burjatischen Schamanismus, etwa „schamanischer Glaube“. Er verehrt nach der Überlieferung den Himmel und die himmlischen Tengri, die Herren bestimmter Orte und die Ahnen; der Schamane heißt burjatisch böö, die Schamanin udagan. Seit 1990 wird der Glaube wiederbelebt (Schamanismus am Baikalsee).

Burchan (Kap Burchan): Kap an der Westküste von Olchon, rund einen Kilometer nördlich von Chuschir, mit dem zweigipfligen Marmorfelsen Schamanka. Für die Burjaten gehört es zu den heiligsten Orten am See; in der Höhle des Felsens wohnt nach der Überlieferung der Herr der Insel (Schamanenfelsen).

Burjaten (burjatisch buryaad): Mongolischsprachiges Volk, dessen Siedlungsgebiet zu beiden Seiten des Sees liegt. Bei der Volkszählung 2021 bekannten sich in Russland 460.053 Menschen zu dieser Nationalität, knapp zwei Drittel davon in der Republik Burjatien; ihre Sprache gehört zur mongolischen Sprachfamilie (Die Burjaten).

Buusy (Einzahl Buusa, russisch Posy): Gedämpfte Teigtaschen in Form eines kleinen, oben offenen Kelches, gefüllt mit gehacktem Fleisch und Zwiebeln. Sie sind das bekannteste Gericht der Region; beide Namen sind gebräuchlich (Küche am Baikalsee).

C bis E

Chambo-Lama (Pandito Chambo-Lama): Titel des obersten Lamas der buddhistischen Burjaten, erstmals 1764 an Damba-Darscha Sajajew verliehen. Heute hat der Pandito Chambo-Lama seinen Sitz im Iwolginski-Datsan, dem Zentrum der Traditionellen Buddhistischen Sangha Russlands (Buddhismus in Burjatien).

Circum-Baikal-Bahn (Krugobaikalskaja schelesnaja doroga): 1902 bis 1905 gebauter Abschnitt der Transsib am steilen Südwestufer, im Regelbetrieb seit Oktober 1905. Erhalten ist die 89 Kilometer lange Strecke von Port Baikal über Kultuk nach Sljudjanka mit 38 Tunneln und über 200 Brücken; seit 1956 ist sie eine Sackstrecke und technisches Denkmal (Circum-Baikal-Bahn).

Cisbaikalien (Pribaikalje): Das Land westlich und nordwestlich des Sees. Der deutsche Fachbegriff bedeutet „diesseits des Baikal“, von Westen aus gesehen, das russische Pribaikalje etwa „Land am Baikal“; das Gegenstück ist Transbaikalien (Der Baikalsee in Sibirien).

Datsan: Buddhistisches Kloster der Burjaten, ein Komplex aus mehreren Tempeln, den Dugans, mit Wohnhäusern der Lamas und Schulen nach tibetischem Vorbild. Das größte Kloster Russlands ist nach eigenen Angaben der 1945 gegründete Iwolginski-Datsan westlich von Ulan-Ude; dort wird seit 2002 der Leib des 1927 gestorbenen Lamas Daschi-Dorscho Itigelow bewahrt.

Dekabristen: Offiziere und Adlige, die sich am 14. (26.) Dezember 1825 in Sankt Petersburg gegen den neuen Zaren Nikolaus I. erhoben; der Name kommt vom russischen Wort für Dezember. Die meisten wurden zu Zwangsarbeit in Transbaikalien und anschließender Ansiedlung in Sibirien verurteilt, ab den 1840er-Jahren lebten mehrere in Irkutsk (Dekabristen in Irkutsk).

Dybowski, Benedykt (1833–1930): Polnischer Arzt und Zoologe, nach dem Januaraufstand von 1863 zum Tod verurteilt; das Urteil wurde in zwölf Jahre Verbannung mit Zwangsarbeit umgewandelt. Ab 1868 erforschte er mit seinem Mitverbannten Wiktor Godlewski von Kultuk aus den See, meist vom Eis: Tiefen, Wassertemperaturen und Tierwelt. Die beiden widerlegten die Lehre vom artenarmen See (Benedykt Dybowski und die verbannten Forscher).

Eisgrotte: Nische oder kleine Höhle im Felsufer, die im Frühwinter, solange der See noch offen ist, von gefrierender Gischt umhüllt wird. Krusten, Zapfen und Eisvorhänge wachsen dort Schicht um Schicht; erreichbar sind sie erst über tragendes Eis im Februar und März (Eisgrotten und Eiszapfen).

Eisringe: Dunkle Ringe aus dünnerem Eis mit meist 5 bis 7 Kilometern Durchmesser, die meist von März bis Anfang Mai auf Satellitenbildern erscheinen. Sie entstehen über warmen, im Uhrzeigersinn drehenden Wasserwirbeln unter dem Eis; Methan ist nach heutigem Forschungsstand nicht die Ursache (Eisringe auf dem Baikalsee).

Eisstraße (ledowaja pereprawa): Offiziell eingerichtete Piste über das Eis, wörtlich „Eisübergang“. Die bekannteste führt rund elf Kilometer über das Kleine Meer nach Olchon; eine Kommission gibt sie frei, wenn das Eis dick genug ist, meist ab Mitte Februar, für Fahrzeuge bis zehn Tonnen und nur tagsüber (Eisstraßen auf dem Baikalsee).

Endemit: Art, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommt. Von den über 2.500 bekannten Tierarten des Baikalsees lebt mehr als die Hälfte nirgendwo sonst, bei Flohkrebsen und Strudelwürmern sind es nahezu alle (Endemiten des Baikalsees).

Epischura baicalensis: Nur rund 1,5 Millimeter großer, endemischer Ruderfußkrebs. Im offenen See stellt er 80 bis 90 Prozent der Biomasse des tierischen Planktons und frisst einen großen Teil der Algen; damit ist er das wichtigste Bindeglied zwischen den Algen und den Fischen (Epischura).

F bis K

Flohkrebse (Amphipoden): Artenreichste Tiergruppe des Sees mit über 350 beschriebenen Arten und Unterarten, fast alle endemisch. Die Literatur zählt traditionell „Arten und Unterarten“ zusammen, weil viele Formen nur als Unterart beschrieben wurden (Flohkrebse im Baikalsee).

Frolicha: Bucht am Nordostufer und Gletschersee in den Bergen dahinter, rund 16,5 Quadratkilometer groß und bis 80 Meter tief, in dem der seltene Dawatschan-Saibling lebt. Das Gebiet ist seit 1976 als Schutzgebiet (Sakasnik) ausgewiesen (Frolicha-Bucht und Frolicha-See).

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, russisch kleschtschewoi enzefalit): Von Zecken übertragene Viruserkrankung. Die Oblast Irkutsk und Burjatien sind Risikogebiete, Zecken sind von April bis Oktober aktiv; laut Auswärtigem Amt schützt der in Deutschland erhältliche Impfstoff auch vor der in Russland verbreiteten Virusvariante (Gesundheit am Baikalsee, Stand Oktober 2026).

Gashydrat: Eisähnliche Verbindung aus Wasser und Methan, die nur bei hohem Druck und niedriger Temperatur beständig ist, im Baikal unterhalb von rund 360 bis 380 Metern Wassertiefe. 1997 wurden Gashydrate hier als erstem Süßwassersee erbohrt; bis 2019 kannte man rund 60 Fundstellen, oft an Schlammvulkanen und Gasquellen im Süd- und Mittelbecken (Gashydrate und Schlammvulkane).

Golomjanka (Baikal-Ölfisch, Gattung Comephorus): Durchscheinender, schuppenloser Fisch ohne Schwimmblase, in zwei Arten bis 21 beziehungsweise 16 Zentimeter Länge. Golomjankas bringen lebende Junge zur Welt, leben im Freiwasser bis über 1.600 Meter Tiefe und sind die Hauptnahrung der Baikalrobbe (Golomjanka).

Great Baikal Trail (Bolschaja Baikalskaja Tropa): Gemeinnützige Organisation mit Sitz in Irkutsk und zugleich das Netz einzelner Wanderwege, das Freiwillige seit 2003 am See anlegen; die Organisation nennt rund 500 Kilometer. Es ist kein durchgehender Fernwanderweg um den See; ein bekannter Abschnitt führt von Listwjanka über Bolschije Koty nach Bolschoje Goloustnoje (Wandern am Baikalsee).

Groppen (Groppenartige, Cottoidei): Überwiegend am Grund lebende Fische, mit rund 30 fast durchweg endemischen Arten der Kern der Fischfauna des Sees. Sie besiedeln das Wasser vom Ufer bis in 1.600 Meter Tiefe und stellen rund 80 Prozent der Fischbiomasse; zu ihnen zählen auch die Golomjankas (Fische im Baikalsee).

Hauptspalte (stanowaja schtschel): Großer Riss in der Eisdecke, 10 bis 30 Kilometer lang und rund 0,4 bis mehrere Meter breit, der sich jedes Jahr in ungefähr denselben Seeteilen öffnet, weil Uferform, Inseln und Winde gleich bleiben; daher spricht man auch von stationären Rissen. Frisch geöffnete und nur dünn überfrorene Spalten sind die Hauptgefahr auf dem Eis (Eisrisse und Geräusche).

Kerzeneis: Zerfallendes Eis im Frühjahr. Taut die Platte, löst sie sich entlang der senkrecht gewachsenen Kristalle in fingerdicke Stäbe auf, die bei Berührung klirrend auseinanderbrechen (Eissaison und Eisdicke).

Klareis (Kristalleis, „schwarzes Eis“): Durchsichtiges Eis, das entsteht, wenn sehr reines Wasser bei ruhigem Wetter und strengem Frost gleichmäßig von oben nach unten gefriert; dabei wachsen lange, senkrechte Kristalle fast ohne Luftblasen. Über tiefem Wasser wirkt es schwarz, in dicken Stücken blaugrün; sein Gegenstück ist das weiße Schneeeis (Klareis).

Kleines Meer (Maloje More): Rund 70 Kilometer langer, meist 5 bis 16 Kilometer breiter Teil des Sees zwischen Olchon und dem Westufer, nur im Norden rund 200 Meter tief. Es erwärmt sich im Sommer stärker und friert im Winter früher zu als der offene See (Kleines Meer).

Köcherfliegen: Insekten, deren Larven im Wasser leben. Beim Massenschlüpfen im Frühsommer bedecken sie die Ufer in Wolken und sind dann eine wichtige Nahrung, unter anderem für Braunbären, die dafür an den Strand kommen (Mücken, Zecken und Köcherfliegen; Braunbären am Baikalsee).

Koltschak, Alexander: Admiral, der ab Ende 1918 in Omsk als „Oberster Regent“ an der Spitze der weißen Regierung stand. Nach dem Zusammenbruch seiner Herrschaft wurde er in der Nacht zum 7. Februar 1920 in Irkutsk auf Anordnung eines bolschewistischen Revolutionskomitees erschossen (Bürgerkrieg am Baikal).

Kultuk: Längswind aus Südwest, der vor allem über dem Süden des Sees weht; sein Gegenspieler aus Nordost ist der Werchowik. Denselben Namen trägt eine Siedlung an der Südwestspitze, an der die Transsib am Baikalsee das Ufer erreicht und durch die auch die Circum-Baikal-Bahn führt.

L bis N

Limnologisches Institut (LIN): Wichtigstes Forschungsinstitut am See, 1961 in Irkutsk aus der Baikal-Limnologischen Station von 1928 hervorgegangen und Teil der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften. Es betreibt vier Forschungsschiffe und Stationen in Bolschije Koty und Listwjanka; Limnologie ist die Wissenschaft von den Binnengewässern (Limnologie am Baikalsee).

Lubomirskia baicalensis: Häufigste und am besten untersuchte Art der Baikalschwämme und der einzige verzweigte Schwamm der nur im Baikal vorkommenden Familie Lubomirskiidae mit 13 bis 16 Arten. Die Schwämme sind meist grün, weil Algen in ihrem Gewebe leben; seit 2011 erkranken und sterben sie rund um den See (Baikalschwamm und Schwammsterben).

Methanblasen: Weiße, flache Scheiben im Eis, eingefrorene Gasblasen aus überwiegend Methan. Das Gas stammt aus dem Abbau abgestorbener Biomasse durch Mikroben am Seegrund oder aus Gashydraten; weil das Eis nach unten weiterwächst, entstehen Stapel aus vielen Lagen (Methanblasen im Baikal-Eis).

Migrationskarte (migrazionnaja karta): Formular, das Reisende laut Auswärtigem Amt bei der Einreisekontrolle mit Einreisestempel erhalten und bei der Ausreise wieder abgeben müssen. Hotels verlangen sie in der Regel beim Einchecken; ab sieben Tagen Aufenthalt besteht eine Anmeldepflicht (Einreise und Visum, Stand Oktober 2026).

Nalitschnik (Mehrzahl Nalitschniki): Geschnitzte Fensterumrahmung an sibirischen Blockhäusern. In Irkutsk, das Ende 2011 761 Denkmäler der Holzarchitektur zählte, prägen solche Rahmen zusammen mit Läden und Giebelfeldern viele ältere Straßen (Holzarchitektur in Irkutsk und Listwjanka).

Nerpa (Baikalrobbe, Pusa sibirica): Einzige ausschließlich im Süßwasser lebende Robbenart; sie kommt nur im Baikalsee vor und wird 1,1 bis 1,4 Meter lang. Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt den Bestand auf 82.500 bis 115.000 Tiere; die Jungen kommen Ende Februar bis Anfang April in Schneehöhlen auf dem Eis zur Welt (Baikalrobbe).

O bis R

Oboo: Haufen aus Steinen, zwischen einem und zehn Metern hoch, oft auf Pässen. Nach burjatischer Überlieferung markierte er das Land eines Geschlechts und gilt als Wohnsitz des Ortsherrn; Gläubige hinterlassen dort Gaben (Kultur und Geschichte am Baikalsee).

Olchonskije Worota („Olchon-Tor“): Nur ein bis zwei Kilometer breite Meerenge zwischen dem Südende der Insel Olchon und dem Festland. Im Sommer quert sie eine Fähre, im Hochwinter führt eine offizielle Eispiste über das Eis; dazwischen liegen Übergangszeiten ohne sichere Verbindung (Insel Olchon).

Omul (Coregonus migratorius): Nur im Baikal vorkommende Renke und über Jahrhunderte der wichtigste Speisefisch der Region. Der kommerzielle Fang ist seit dem 1. Oktober 2017 verboten; eine begrenzte Öffnung wird frühestens ab 2028 erwogen (Omul und Fangverbot).

Ostrog: Hölzernes Fort, von dem aus Kosaken im 17. Jahrhundert Sibirien erschlossen. Irkutsk entstand 1661 als Ostrog am Ufer der Angara, Ulan-Ude 1666 als Winterlager Udinskoje (Irkutsk).

Pribaikalski-Nationalpark: Seit dem 13. Februar 1986 geschützter schmaler Streifen des Westufers von Kultuk bis zum Kap Kotscherikowski, dazu der größte Teil von Olchon. Mit 470 bis 490 Kilometern Uferlinie gilt er als längster Nationalpark Russlands; die Trasse der Circum-Baikal-Bahn gehört nicht dazu (Pribaikalski-Nationalpark).

Proval: Flache Bucht von rund 200 Quadratkilometern nordöstlich des Selenga-Deltas, der Name bedeutet etwa „Einbruch“. Sie entstand beim Zagan-Beben im Januar 1862, dem stärksten bekannten Beben am See, als dort eine Steppe versank (Erdbeben am Baikalsee).

Ramsar-Gebiet: Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention von 1971. Am Baikal ist der mittlere Teil des Selenga-Deltas seit 1994 so ausgewiesen; das Delta ist der wichtigste Lebensraum für Wasser- und Zugvögel am See (Selenga-Delta).

Riftzone: Grabenbruch, in dem die Erdkruste auseinanderzieht. Die Baikal-Riftzone ist je nach Abgrenzung rund 1.500 bis über 2.000 Kilometer lang und weitet sich zwischen Eurasischer Platte und Amurplatte nach GPS-Messungen um rund 4 Millimeter im Jahr (Baikal-Riftzone). In ihr entstand der See vor 25 bis 30 Millionen Jahren (Alter und Entstehung).

S

Sabaikalski-Nationalpark: Am 12. September 1986 gegründeter Nationalpark am Ostufer, rund 269.000 Hektar groß, davon rund 36.400 Hektar Wasserfläche. Zu ihm gehören Swjatoi Nos, die Tschiwyrkui-Bucht, der Südteil des Bargusingebirges und die Uschkani-Inseln (Sabaikalski-Nationalpark).

Sapowednik (Mehrzahl Sapowedniki): Naturreservat, die strengste Schutzkategorie Russlands; das Gebiet bleibt der natürlichen Entwicklung überlassen, Jagd, Fischerei, Holzeinschlag und Bauen sind verboten. Am Baikal liegen drei: Bargusin (1916), das Baikal-Reservat (1969) und Baikal-Lena (1986). Weniger streng ist der Sakasnik, in dem nur bestimmte Tätigkeiten verboten sind (Schutzgebiete am Baikalsee).

Sarma: Heftigster Wind des Baikalsees, eine besonders starke Form des Querwinds Gornaja, der von den Bergen des Westufers herabstürzt. Im Herbst erreicht sie über dem Kleinen Meer 30 bis 40 Meter pro Sekunde (Sarma, Bargusin und Kultuk).

Secchi-Scheibe: Weiße oder schwarz-weiße Scheibe von etwa 20 bis 30 Zentimetern Durchmesser, die an einer markierten Leine abgesenkt wird, bis sie verschwindet; so misst man die Sichttiefe. Im offenen Baikal bleibt sie im Frühjahr oft bis 30 oder 40 Meter Tiefe sichtbar (Sichttiefe des Baikalsees).

Selenga: Größter Zufluss des Sees. Sie entspringt in der Mongolei, entwässert rund 445.000 Quadratkilometer und bringt rund die Hälfte des Flusswassers; vor ihrer Mündung am Ostufer bildet sie das größte Delta im Baikalbecken (Selenga und Zuflüsse).

Semejskije: Nachfahren russischer Altgläubiger, die ab 1765 aus der Gegend um Wetka nach Transbaikalien umgesiedelt wurden; der Name bedeutet etwa „die mit Familien Gekommenen“. Ihre Dörfer liegen vor allem südlich von Ulan-Ude, ihr Kulturraum steht seit 2008 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Erbes (Altgläubige in Transbaikalien).

Serge: Hölzerner Pfosten, ursprünglich der Pfahl vor der Jurte, an dem man die Pferde anband. Als Kultzeichen des Schamanismus steht er auch für den Weltenbaum und trägt Stoffbänder; am Kap Burchan errichteten Bewohner der Gegend im 21. Jahrhundert dreizehn große Serge (Serge, Oboo und Stoffbänder).

Sokui: Russischer Fachausdruck für Spritz- und Brandungseis. Vom ersten Frost bis zum Zufrieren friert Gischt an Felsen und flachen Ufern fest; so wachsen Eiswälle und Krusten, nach Stürmen bis rund zehn Meter hoch (Der Baikalsee im Winter).

Sor (Mehrzahl Sore): Flache, durch eine Sandnehrung vom offenen See abgetrennte Lagune, etwa der Possolski Sor südwestlich des Selenga-Deltas. Sore erwärmen sich im Sommer stark und frieren schon ab Ende Oktober zu (Buchten des Baikalsees).

Spirogyra (Schraubenalgen): Gattung fädiger Grünalgen, deren Chloroplasten sich spiralig durch die Zelle winden. Seit etwa 2010 wuchern sie an vielen Ufern in dichten Matten; die meisten Forscher sehen die Ursache in Nährstoffen aus ungeklärtem Abwasser (Algenblüte am Ufer).

Swjatoi Nos („Heilige Nase“): Mit rund 596 Quadratkilometern größte Halbinsel des Sees, ein Bergmassiv am Ostufer von knapp 1.880 Metern Höhe, das über eine flache, sumpfige Landenge mit dem Festland verbunden ist. Vor einigen Jahrtausenden war es noch eine Insel (Halbinsel Swjatoi Nos).

T bis Z

Taiga: Nördlicher Nadelwald. Am Baikal bedeckt die Bergtaiga rund 70 Prozent des russischen Einzugsgebiets, mit Lärche, Waldkiefer, Sibirischer Zirbelkiefer, Tanne und Fichte; dazwischen liegen Steppen, darüber Zwergkiefer und Gebirgstundra (Taiga und Pflanzen).

Taigazecke (Ixodes persulcatus): Wichtigster Überträger der FSME in Sibirien. Zecken sind Spinnentiere, keine Insekten; am Baikal sind sie von April bis Oktober aktiv, am stärksten im Mai und Juni (Zecken und Insekten am See).

Tailgan: Gemeinschaftliches Opfer- und Gebetsfest der Burjaten unter freiem Himmel, gefeiert von einer Familie, einem Geschlecht oder einer Gegend an einem Ort, der dem jeweiligen Herrn geweiht ist, meist zwischen Mai und September. Auf Olchon findet nach russischen Angaben seit 1990 jedes Jahr ein großer Tailgan statt (Schamanenfelsen auf Olchon).

Torossy (Einzahl Toross): Wälle und Hügel aus aufgetürmten Eisschollen, die entstehen, wenn sich die Eisdecke bei Temperaturwechseln ausdehnt oder Wind sie gegeneinanderschiebt. Meist sind sie bis wenige Meter hoch (Eishügel auf dem Baikalsee); weil das Eis rein und blasenarm ist, leuchten ihre Kanten im Gegenlicht türkis (Farben des Baikal-Eises).

Tragflügelboot: Schnelles Passagierschiff, dessen Rumpf sich bei Fahrt auf Tragflächen aus dem Wasser hebt. Im Sommer verkehren solche Boote auf dem Baikal, unter anderem auf der Strecke von Irkutsk über Listwjanka (Busse, Fähren und Tragflügelboote).

Transbaikalien (Sabaikalje): Gebirgiges Land östlich des Sees bis zum Oberlauf des Amur, auch Daurien genannt, mit Ulan-Ude und Tschita als größten Städten. Den Namen trägt heute auch ein Föderationssubjekt, die Region Transbaikalien (Cisbaikalien und Transbaikalien).

Transsib (Transsibirische Eisenbahn): Bahnlinie von Moskau an den Pazifik. Sie erreicht den See bei Kultuk und Sljudjanka und folgt auf rund 200 Kilometern dem Südufer, bevor sie bei Possolskaja ins Tal der Selenga nach Ulan-Ude abbiegt; die Bergstrecke von Irkutsk stammt von 1949, ursprünglich führte die Bahn über Port Baikal (Transsib am Südufer).

UNESCO-Welterbe: Der Baikalsee steht seit 1996 auf der Welterbeliste, aufgenommen nach allen vier Naturkriterien. Die Stätte umfasst rund 8,8 Millionen Hektar; im Juli 2026 vertagte das Welterbekomitee die Entscheidung über eine Einstufung als gefährdetes Welterbe auf 2027 (UNESCO-Welterbe Baikalsee).

Uschkani-Inseln: Gruppe aus vier Inseln mitten im See, die aus dem Wasser ragenden Gipfel des Akademikerrückens. An ihren Felsufern liegt der größte Sammelplatz der Baikalrobben: Im Sommer ruhen dort Hunderte, in manchen Jahren bis zu 3.000 Tiere (Uschkani-Inseln).

Wasserkraftwerk Irkutsk: Erstes und kleinstes der vier Kraftwerke der Angara-Kaskade, rund 65 bis 70 Kilometer unterhalb der Quelle. Sein Staudamm steuert den Seespiegel seit 1958 mit; der See liegt seither im langjährigen Mittel rund 0,7 bis 1 Meter höher als ohne Damm, in den 1960er-Jahren zeitweise 1,2 bis 1,3 Meter; in normalen Jahren muss der Spiegel zwischen 456 und 457 Metern bleiben (Wasserstand und Staudamm).

Wereschtschagin: Name des größten Forschungsschiffs des Limnologischen Instituts, gebaut 1963, mit 527 Tonnen Verdrängung. Es ist nach dem Limnologen Gleb Wereschtschagin benannt, dem ersten Leiter der 1928 gegründeten Baikal-Limnologischen Station (Forschungsschiffe und Messreihen).

Zarengold (Koltschak-Gold): Teil der russischen Staatsgoldreserve, den weiße Truppen im August 1918 in Kasan erbeuteten, nach einer Zählung von 1919 rund 505 Tonnen. Belegt ist, dass im März 1920 in Irkutsk Gold im Wert von rund 409 Millionen Rubel an die Sowjetmacht ging; dass der Rest im Baikalsee liegt, ist eine Legende ohne Beleg (Zarengold im Baikalsee).

Zellstoffwerk Baikalsk (BZBK): Werk am Südufer, das von 1966 bis 2013 gebleichten Zellstoff erzeugte und jahrzehntelang gereinigtes, aber belastetes Abwasser in den See leitete. Seit der Schließung gilt das Gelände mit seinen Schlammbecken als größte Altlast am See (Zellstoffwerk Baikalsk); die Stadt Baikalsk entstand ab 1961 als Siedlung für das Werk.

Zobel (Martes zibellina): Marder der Taiga, dessen Fell über Jahrhunderte begehrt war. Am Nordostufer lebten 1914 höchstens 30 Tiere; zu ihrem Schutz entstand das Bargusin-Reservat; 2025 ergab eine Zählung in Reservat, Sabaikalski-Nationalpark und Sakasnik Frolicha rund 2.800 Zobel (Säugetiere der Taiga).

Häufige Fragen zum Baikal-Glossar

Woher kommt der Name Baikal?

Die Herkunft ist nicht geklärt, und keine der Deutungen ist bewiesen. Häufig genannt werden das türkische „bai köl“, reicher See, und das burjatische „Baigal dalai“, etwa großes, meergleiches Wasser. Die ersten russischen Kosaken übernahmen im 17. Jahrhundert zunächst den ewenkischen Namen Lamu, „Meer“; mehr dazu unter Legenden und Mythen des Baikalsees.

Wie werden russische und burjatische Wörter hier geschrieben?

Das Portal verwendet die deutsche Transkription, also etwa „sch“ für den russischen Laut in Schamanka und „tsch“ in Tschiwyrkui; daher Olchon, Listwjanka und Sljudjanka statt der englischen Formen Olkhon, Listvyanka und Slyudyanka. Burjatische Wörter stehen in der Form, die in deutscher Fachliteratur üblich ist. Wissenschaftliche Artnamen sind kursiv gesetzt und folgen der amtlichen Schreibweise, zum Beispiel baicalensis.

Was unterscheidet einen Nationalpark von einem Sapowednik?

Ein Sapowednik ist das strengere Schutzgebiet: Die Natur bleibt sich selbst überlassen, Jagd, Fischerei, Holzeinschlag und Bauen sind verboten. Ein Nationalpark ist in abgestufte Zonen gegliedert; in den Kernzonen gilt ein ähnlich strenger Schutz, in anderen Zonen sind Erholung, Tourismus und traditionelle Nutzung erlaubt, und es können Dörfer im Park liegen.

Warum tragen so viele Arten den Namen baicalensis?

Der Zusatz ist lateinisch und bedeutet „vom Baikal“. Er kennzeichnet Arten, die am See zuerst beschrieben wurden oder nur hier vorkommen, etwa den Ruderfußkrebs Epischura baicalensis, die Kieselalge Aulacoseira baicalensis und den Schwamm Lubomirskia baicalensis. Weil sehr viele Arten des Sees endemisch sind, kehrt der Name in Bestimmungslisten immer wieder.

Quellen: die verlinkten Fachseiten von Baikalsee.info, besonders Geschichte des Baikalsees in der Zeitleiste; Limnological Institute SB RAS: About; U.S. Geological Survey: Lake Baikal – A Touchstone for Global Change and Rift Studies; Auswärtiges Amt: Russische Föderation, Reise- und Sicherheitshinweise; Great Baikal Trail (Bolschaja Baikalskaja Tropa). Stand: Oktober 2026.

Baikalsee.info

Sieben Stationen

  1. Der SeeTiefe · Wasser
  2. EisKlareis · Eishügel
  3. Natur & TiereNerpa · Omul
  4. Orte & OlchonOlchon · Irkutsk
  5. Kultur & GeschichteBurjaten · Transsib
  6. Wissenschaft & UmweltForschung · Umwelt
  7. ReiseReisezeit · Lage

Reiselage Das Auswärtige Amt warnt derzeit vor Reisen nach Russland. Aktueller Stand: auswaertiges-amt.de