Blatt Baikal · 51°28′–55°47′ N · 103°43′–109°58′ OWissens- und Reiseportal · Stand Oktober 2026

Station 1 von 7

Der Baikalsee: Lage, Entstehung und Superlative

Tiefster, ältester und wasserreichster Süßwassersee der Erde im Überblick

Stand
· 9 Min. Lesezeit
Blick von einem Steppenhang über die weite Wasserfläche des Baikalsees, am Horizont das ferne Ostufer
Abb. 1Abendlicht über dem Baikalsee: Vom Westufer aus ist das Ostufer nur als schmaler Streifen zu sehen. Symbolbild
Kurz gesagt

Der Baikalsee liegt in Südsibirien zwischen der Oblast Irkutsk und der Republik Burjatien. Er ist mit 1.642 Metern der tiefste, mit 25 bis 30 Millionen Jahren der älteste und mit rund 23.615 Kubikkilometern der wasserreichste Süßwassersee der Erde. Rund 636 Kilometer lang, umrahmt von Gebirgen, beherbergt er Tausende Arten, die es nirgends sonst gibt.

Wo in Sibirien liegt der Baikalsee?

Der Baikalsee liegt im asiatischen Teil Russlands, im Süden Ostsibiriens, nördlich der Mongolei. Er erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten über rund 636 Kilometer zwischen etwa 51,5 und 55,8 Grad nördlicher Breite; die Seemitte liegt ungefähr bei 53° 30′ N und 108° O. Damit liegt der See etwa auf der geografischen Breite von Hamburg oder Berlin, aber mitten im größten Kontinent und weit entfernt von jedem Ozean.

Politisch teilen sich zwei Föderationssubjekte das Ufer. Das West- und das Nordufer gehören zur Oblast Irkutsk, das Ost- und Südufer zur Republik Burjatien mit der Hauptstadt Ulan-Ude. Die Großstadt Irkutsk liegt nicht direkt am See, sondern rund 60 bis 70 Kilometer flussabwärts an der Angara, die am Südwestende bei Listwjanka aus dem Baikal austritt. Ein Teil des Einzugsgebiets reicht über die Grenze in die Mongolei hinein; der größte Zufluss, die Selenga, entspringt dort.

Naturräumlich gehört der Baikal zu den Südsibirischen Gebirgen. Er füllt den tiefsten Teil eines langen tektonischen Grabens, der sich von der Mongolei bis weit nach Nordosten zieht. Westlich des Sees schließt die alte, stabile Sibirische Tafel an, östlich das Bergland Transbaikaliens. Wo genau Städte, Inseln und Bahnlinien liegen, zeigt die Karte des Baikalsees mit Orten, Inseln und Bahnlinien.

Was macht den Baikalsee einzigartig?

Der Baikal vereint drei Rekorde, die kein anderer See zugleich hält: Er ist der tiefste See der Erde, der älteste und der Süßwassersee mit dem größten Volumen. Seine tiefste Stelle liegt 1.642 Meter unter dem Wasserspiegel und damit rund 1.186 Meter unter dem Meeresspiegel. Es ist die tiefste kontinentale Senke der Erde.

Beim Alter gehen Forscher von 25 bis 30 Millionen Jahren aus. Die meisten Seen der Erde sind dagegen erst nach der letzten Eiszeit entstanden, also meist höchstens 10.000 bis 20.000 Jahre alt, und sie verlanden im Lauf der Zeit. Der Baikal entgeht diesem Schicksal, weil der Graben, in dem er liegt, sich bis heute absenkt und weitet. Wie die Forschung das Alter bestimmt, erklärt eine eigene Detailseite dieser Station.

Das Volumen von rund 23.615 Kubikkilometern übertrifft das aller fünf Großen Seen Nordamerikas zusammen, obwohl deren Fläche ein Vielfaches größer ist. Der Baikal hält damit rund 20 Prozent des flüssigen Süßwassers an der Erdoberfläche. Gemeint ist das Wasser in Seen und Flüssen; das meiste Süßwasser der Erde steckt dagegen im Eis der Polargebiete und im Grundwasser. Die Zahl wird deshalb oft missverstanden und als Anteil an allem Süßwasser zitiert.

Aus Alter und Abgeschiedenheit ergibt sich die vierte Besonderheit, die Artenvielfalt. Bekannt sind über 2.500 Tierarten und rund 1.000 Arten von Pflanzen und Algen, und viele davon kommen nur hier vor. Unter den Flohkrebsen sind über 350 Arten und Unterarten endemisch, unter den Muschelkrebsen rund 90 Prozent. Das bekannteste Tier ist die Baikalrobbe, die einzige Robbe, die ausschließlich im Süßwasser lebt. Möglich macht das Leben bis in die größte Tiefe ein Umstand, der für so tiefe Seen ungewöhnlich ist: Das Wasser ist bis zum Grund sauerstoffreich, weil kaltes Oberflächenwasser regelmäßig in die Tiefe absinkt.

Auffällig ist schließlich die Klarheit. Weil das Wasser nährstoff- und mineralarm ist und winzige Krebse Algen und Schwebstoffe ausfiltern, reicht der Blick im Winter und Frühjahr 30 bis 40 Meter tief. Im Sommer, wenn das Plankton blüht, sind es oft nur 5 bis 8 Meter. Die Klarheit überträgt sich auf das Eis: Friert der See bei Windstille und strengem Frost zu, entsteht durchsichtiges Eis, durch das man auf den Grund flacher Buchten sieht.

Ruhige Wasserfläche mit einer bewaldeten Halbinsel und gestaffelten Bergketten im Dunst
Abb. 2Halbinsel und Bergketten im Morgendunst. Symbolbild

Wie ist der Baikalsee gegliedert und geformt?

Der See besteht aus drei Becken, die unter Wasser durch Schwellen getrennt sind: dem Südbecken mit bis zu rund 1.460 Metern Tiefe, dem Mittelbecken mit der tiefsten Stelle von 1.642 Metern und dem flacheren Nordbecken mit gut 900 Metern. Zwischen Nord- und Mittelbecken liegt der Akademikerrücken, eine untermeerische Schwelle, die sich bis auf etwa 300 Meter unter die Oberfläche hebt. Süd- und Mittelbecken trennt eine flachere Zone vor dem Delta der Selenga. Nach Fläche ist das Nordbecken mit rund 13.690 Quadratkilometern das größte, das Mittelbecken mit rund 10.600 Quadratkilometern enthält aber am meisten Wasser, gut 9.000 Kubikkilometer. Das Südbecken ist mit rund 7.430 Quadratkilometern das kleinste, im Mittel aber fast so tief wie das mittlere. Diese Werte stammen aus der digitalen Tiefenkarte, die ein internationales Forschungsprojekt im Jahr 2002 vorgelegt hat.

Von oben betrachtet wirkt der Baikal wie eine schmale Sichel. Er ist rund 636 Kilometer lang, aber höchstens 79 bis 81 Kilometer breit; im Schnitt sind es nur etwa 48 Kilometer. Die Uferlinie misst rund 2.000 bis 2.100 Kilometer. Gegliedert wird sie durch große Buchten wie die Tschiwyrkui-Bucht und die Bargusin-Bucht im Osten, durch die Halbinsel Swjatoi Nos und durch die Insel Olchon, die mit rund 730 Quadratkilometern die größte der 27 Inseln ist. Zwischen Olchon und dem Westufer liegt das flache Kleine Meer.

Rundum steigen Gebirge auf. Am Westufer verläuft die Primorski-Kette, im Nordwesten das Baikalgebirge, am Ostufer das Bargusingebirge, im Süden der Chamar-Daban. Die Westseite fällt meist steil zum Wasser ab, viele Hänge setzen sich unter Wasser mit 40 bis 60 Grad Neigung fort. Die Ostseite ist sanfter, mit breiteren Uferebenen, Sandstränden und Flussdeltas. Diese Asymmetrie spiegelt den Bau des Grabens wider, dessen Hauptbruch am Westrand liegt.

Gespeist wird der See von über 300 Flüssen und Bächen; in der Literatur kursieren Zahlen von 330 bis 336. Die Selenga liefert allein rund die Hälfte des Zuflusses, dazu kommen vor allem die Obere Angara im Norden und der Bargusin im Osten. Abfließen kann das Wasser nur an einer Stelle: durch die Angara bei Listwjanka, die über den Jenissei ins Nordpolarmeer fließt. Weil die Wassermenge so groß ist, dauert es rechnerisch rund 330 bis 400 Jahre, bis das gesamte Seevolumen einmal ausgetauscht ist. Alle Werte mit ihren Spannen in der Literatur stehen gesammelt unter Zahlen und Fakten zum Baikalsee.

Wie verändert sich der See im Lauf des Jahres?

Der Baikal ist ein See der starken Gegensätze. Im Winter friert er zu, zuerst die flachen Buchten und der Norden, das tiefe Südbecken oft erst Mitte oder Ende Januar. Von Januar bis Mai trägt er dann eine Eisdecke, die im Mittel 0,5 bis 1,4 Meter dick ist und an Pressungsrücken über 2 Meter erreicht. Klareis, eingefrorene Gasblasen und türkis leuchtende Eishügel machen den Winter zur bekanntesten Jahreszeit; ihnen ist die Station Eis und Winter am Baikalsee gewidmet. Im Mai bricht das Eis im Süden auf, im Norden kann es bis Juni dauern. Im Sommer erwärmt sich die Oberfläche des offenen Sees bis August auf höchstens rund 16 °C, flache Buchten erreichen 20 bis 24 °C. Ab etwa 300 Metern Tiefe bleibt das Wasser das ganze Jahr über bei 3,1 bis 3,4 °C. Der Herbst bringt Stürme mit Wellen von mehreren Metern Höhe. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich das Oberflächenwasser um gut 1 °C erwärmt, und die Eisdecke hält im Mittel kürzer als früher.

Steinstrand mit Treibholz am Ostufer, dahinter Taiga und eine Bergkette mit Schneeresten
Abb. 3Am Ostufer steigen die Berge steil aus der Taiga auf. Symbolbild

Welche Rolle spielt der Mensch am Baikalsee?

Am Ostufer leben seit Jahrhunderten Burjaten, im Norden auch Ewenken; Russen erreichten den See in den 1640er-Jahren. Heute ist das Ufer dünn besiedelt: Größere Orte sind Sewerobaikalsk im Norden, Sljudjanka und Baikalsk im Süden sowie Ust-Bargusin im Osten, dazu Dörfer wie Listwjanka und Chuschir auf Olchon. Am Südende folgt die Transsibirische Eisenbahn dem Ufer, die Strecke um das Südwestende wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Circum-Baikal-Bahn angelegt; im Norden erreicht die Baikal-Amur-Magistrale den See. Seit 1996 gehört der Baikal mit seiner Umgebung zum UNESCO-Weltnaturerbe; die Welterbestätte umfasst rund 8,8 Millionen Hektar. Abwässer, Algenteppiche an Ufern, Tourismus und die Regulierung des Wasserstands durch das Wasserkraftwerk Irkutsk zeigen zugleich, wie verletzlich das System ist.

Was finden Sie in dieser Station?

Diese Seite ist der Einstieg in die Station „Der See“. Die Detailseiten vertiefen jeweils eine Frage und verwenden dieselben, geprüften Zahlen:

Wer sich für die Tierwelt interessiert, wechselt in die Station Natur und Tiere am Baikalsee; dort geht es um Endemiten, die Baikalrobbe und die Schutzgebiete.

Häufige Fragen zum Baikalsee

Ist der Baikalsee der größte See der Welt?

Nach Wassermenge ist er der größte Süßwassersee der Erde. Nach Fläche liegt er mit 31.722 Quadratkilometern nur auf Platz sieben; größer sind das Kaspische Meer, der Obere See, der Victoriasee, der Huron- und der Michigansee sowie knapp der Tanganjikasee. Seine Größe steckt in der Tiefe.

Wie groß ist der Baikalsee im Vergleich zu einem Land?

Seine Wasserfläche ist etwas größer als Belgien. Gegenüber dem Bodensee mit rund 536 Quadratkilometern ist er rund 59-mal so groß, beim Volumen enthält er knapp 500-mal so viel Wasser.

Kann man vom einen Ufer zum anderen sehen?

Meist nicht. An den breitesten Stellen liegen 79 bis 81 Kilometer zwischen den Ufern. Sichtbar sind über weite Strecken aber die hohen Gebirge am Gegenufer, vor allem bei klarer Winterluft.

Zu welchem Land gehört der Baikalsee?

Der See liegt vollständig in Russland und gehört zur Oblast Irkutsk und zur Republik Burjatien. Die Mongolei hat keinen Anteil am Ufer, wohl aber am Einzugsgebiet, weil die Selenga dort entspringt.

Ist der Baikalsee im Winter ganz zugefroren?

In den meisten Wintern ja, meist von Januar bis Mai. Offen bleibt dauerhaft nur der Ausfluss der Angara bei Listwjanka, wo das strömende Wasser nicht zufriert. Wo und wie dick das Eis ist, schwankt von Jahr zu Jahr.

Quellen: U.S. Geological Survey: Lake Baikal – A Touchstone for Global Change and Rift Studies; Limnologisches Institut Irkutsk: More on the maximum depth of Lake Baikal; UNESCO-Welterbezentrum: Lake Baikal. Weitere: Guinness World Records, INTAS-Projekt 99-1669, Wikipedia. Stand: Oktober 2026.

Alle Seiten dieser Station

  1. Baikalsee: Zahlen und Fakten im Steckbrief

    Alle Werte mit Spannen, Bezugsgrößen und Quellen auf einen Blick

  2. Wie tief ist der Baikalsee? Die 1.642 Meter erklärt

    Wo die tiefste Stelle liegt und wie man sie vermessen hat

  3. Wie alt ist der Baikalsee und wie ist er entstanden?

    Wie ein Grabenbruch den ältesten See der Erde geschaffen hat

  4. Das Wasser des Baikalsees: 20 Prozent des Süßwassers der Erde

    Wie viel Wasser der See enthält, woher es kommt, wie rein es ist

  5. Warum ist der Baikalsee so klar? Sichttiefe und Trinkwasser

    Sichttiefe im Jahreslauf, die Gründe der Klarheit und eine ehrliche Antwort zum Trinken

  6. Klima am Baikalsee: Jahreszeiten, Wind und Temperaturen

    Kontinentalklima, vom See gemildert, mit eigenen Winden und sehr verschiedenen Ufern

  7. Wassertemperatur im Baikalsee: Kann man baden?

    Wie warm der See wird, wo es wärmer ist und was beim Baden zählt

  8. Die tiefsten Seen der Welt im Vergleich

    Rangliste der tiefsten Seen mit Tiefe, Fläche und Entstehung

  9. Die Baikal-Riftzone: Warum der See jedes Jahr breiter wird

    Ein Grabenbruch, der sich um wenige Millimeter im Jahr öffnet

  10. Nord-, Mittel- und Südbecken: Die Gliederung des Sees

    Drei tiefe Wannen, zwei Schwellen und die flachen Buchten am Ostufer

  11. Sarma, Bargusin, Kultuk: Die Winde des Baikalsees

    Längswinde, Fallwinde und die gefürchtete Sarma über dem Kleinen Meer

  12. Die Angara: einziger Abfluss des Baikalsees

    Der Fluss, der als einziger aus dem Baikal hinausführt

Baikalsee.info

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